
Als Rennradler hat man viele Fragen. Die wichtigste: Wie kommt man cool rüber? Vielleicht wie Peter Sagan, kennen Sie den noch? Den Slowaken, der die letzten hundert Meter einer Etappe gern mal auf dem Hinterrad gefahren ist. Oder wie Bradley Wiggins, bei dessen britischer Lässigkeit man nie so recht wusste, fährt er jetzt gerade zu Olympiagold oder in den Pub.
Am modischen Auftritt kann es nicht liegen. Wenn sich ein ambitionierter Hobbyfahrer kleidet wie einst der Supersprinter Mario Cipollini, kommt er ja nicht rüber wie das Original, ein italienischer Löwenkönig, sondern wie ein Astronaut auf Heimaturlaub. Lycra-Anzug, Schuhe, auf denen man läuft wie auf High Heels, Brillen wie Sonnensegel. Also muss es etwas anderes sein.
Die traurige Wahrheit
Das Material? Nun, Rennräder sind bekanntlich keine Fahrräder mehr. Sie sind rollende Preisschilder. Was die Tour-Profis fahren, lässt sich teuer kaufen. Mal bezahlt, muss man nicht mal mehr mit ihnen fahren. Es genügt, sie vor einem Café an die Hauswand zu lehnen. Kenner betrachten ein solches Rad dann im Detail: Laufräder, Schaltgruppe, Felgen, Kurbel, Cockpit, Flaschenhalter, Computer. Jeder Baustein erzählt etwas über seinen Besitzer und sein Kreditkartenlimit.
Natürlich geht es nicht ums Angeben. Es geht um Performance. Das behaupten jedenfalls alle. Überhaupt ist der Rennradfahrer ein faszinierendes Wesen. Er investiert tausend Euro, um sein Fahrrad 200 Gramm leichter zu machen, hat selbst aber acht Kilo Übergewicht, fährt mit zwei vollen Trinkflaschen und bestellt nach 30 Kilometern im Café ein Stück Käsekuchen. Die traurige Wahrheit ist: Selbst das teuerste Rennrad der Welt macht noch keinen coolen Rennradfahrer. Die gültige Währung der Coolness lässt sich weder kaufen noch leasen. Sie zeigt sich an der roten Ampel.
Während alle anderen den Carbonschuh ausklicken und einen Fuß auf den Asphalt setzen, gibt es diesen einen. Er bleibt einfach stehen. Eingeklickt. Regungslos. Den Lenker leicht abgewinkelt. Der Kenner nennt das Track Stand. Kein Wackeln. Kein Hüpfen. Kein Zweifel. Er steht da in unerschütterlicher Ruhe. Ein Meister der Balance. Cirque du Soleil in der Rushhour. Da schaut selbst der Typ im Cabrio herüber. Hinter seiner Ray-Ban hielt er sich bis eben noch für den Allercoolsten. Jetzt weiß er: Er ist nur ein Autofahrer.
