Niemand durfte Elias sehen. Niemand mit ihm spielen, niemand ihn in den Arm nehmen. Nicht seine drei Schwestern, nicht die Großeltern. Wenn sie nach ihm fragten, hieß es immer nur: Der Elias sei krank oder bei einem Freund zum Spielen. Dabei lag er in einer Schublade, 50 Zentimeter breit, 50 hoch, 20 tief, mit auf dem Rücken zusammengebundenen Händen, ohne ein Hemdchen am Leib. Drei Jahre alt, 94 Zentimeter groß, sieben Kilo leicht, das Gewicht eines viermonatigen Säuglings. Seine Eltern schlugen sich die Bäuche voll, ihrem Sohn gaben sie manchmal eine Scheibe Gurke zu essen. Elias lebte sein verkümmertes Leben allein in der Dunkelheit einer Wohnung in der 6.000-Seelen-Gemeinde Ebbs in Tirol. Vergessen von der Welt.
