
Wer heute kleine Kinder hat, stammt sehr wahrscheinlich aus der Generation der „Millennials“ oder aus der „Gen Z“ und hat damit einen großen Teil des eigenen Lebens mit digitaler Technik verbracht. Auch wenn manche noch mit Kassettenüberspielen oder CD-Wacklern im Discman aufgewachsen sein mögen, ist Medienkonsum längst bildschirmgesteuert. Ob Filme über Youtube oder Netflix, Musik über Spotify oder Deezer oder den F.A.Z.-Podcast direkt über die App, das Smartphone ist allgegenwärtig.
Das Paradox der Generation junger Eltern: Sie wollen, dass ihre Kinder vorbereitet sind auf die digitale Welt, auf die Herausforderung im Aufwachsen im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz, aber sie sind als Eltern freilich auch besorgt über den Medienkonsum ihrer Kinder. Welche Inhalte sind kindgerecht, welche Apps sollte man wann erlauben? Was früher eine Stunde Fernsehzeit war, wird heute über Familienfreigaben für das Tablet geregelt. Debatten über Social-Media-Verbote für Kinder zeigen den Konflikt.
Für das Düsseldorfer Unternehmen Tonies bringt das Suchtpotential der Bildschirme goldene Zeiten. Setzt das Unternehmen hinter der gleichnamigen Hörspielbox doch schon seit Anbeginn darauf, keinen Bildschirm einzusetzen. Kinder können selbständig ihre Lieblingsinhalte anhören, kreative Welten erschaffen und altersgerechte Spiele ausprobieren. Und Eltern müssen sich nicht sorgen um unangemessene Inhalte. Tonies hat eine ganz neue Medienkategorie geschaffen und damit erstaunlichen Erfolg erzielt.
Die Gründer des Unternehmens hatten lange auf ein Produkt gesetzt, die simple Box, die über die Inhalte der Hörspielfiguren mit Leben gefüllt wird. Mit dem Börsengang, der Internationalisierung und auch einem neu aufgestellten Vorstand hat sich das Unternehmen in den vergangenen Jahren breiter aufgestellt. Die Altersklassen wurden erweitert, um somit die Zielgruppe zu verbreitern. Neue Boxen brachten neue Ausspielwege, und eine günstigere Variante soll jetzt vor allem neue Kunden in Wachstumsmärkten vom Hörspielkonzept überzeugen.
Mit bald 760 Millionen Euro Umsatz ist Tonies zwar kein Riese, aber das Unternehmen entwickelt sein Geschäftsmodell behutsam weiter. Der Zeitgeist dürfte das Wachstum ankurbeln.
