Nach dem überraschenden Tod des nach Plagiatsvorwürfen zurückgetretenen britischen Cambridge-Professors Jason Arday haben mehr als 31.000 Menschen in einer Petition eine staatliche Untersuchung des Vorfalls gefordert. »Es kann keinen Zweifel geben, dass Dr. Ardays tragischer Tod das direkte, vorhersehbare und vorhergesehene Ergebnis von Schikane durch die Presse war«, hieß es auf der Website der Organisation Good Law Project, die den Appell an den britischen Premier Andy Burnham initiiert hatte, dem sich auch mehrere Abgeordnete anschlossen.
Arday war am Freitag tot in Battersea im Süden Londons aufgefunden worden. Die Polizei vermutet einen Suizid oder einen natürlichen Tod. »Ein bedeutendes Element bei diesem Mobbing war die Farbe seiner Haut«, fügte Good Law Project mit Blick auf den schwarzen Akademiker hinzu. Für Montagabend ist eine Mahnwache für Arday auf dem Londoner Trafalgar Square geplant.
Plagiatsvorwürfe und Zweifel an der Vita
Der Fall Arday hatte viel Aufsehen erregt. Vor drei Jahren war der Soziologe mit nur 37 Jahren an die Elite-Universität Cambridge berufen worden – als jüngster schwarzer Professor der Einrichtung überhaupt. In den vergangenen Wochen wurden jedoch Plagiatsvorwürfe gegen Arday und Zweifel an seiner Lebensgeschichte laut. Am 5. August trat Arday schließlich von seinem Posten zurück.
In einem Interview mit der Times räumte Arday vor seinem Tod zwar Fehler ein, führte die Defizite in seinen akademischen Arbeiten jedoch auf seinen Autismus und seine Lernschwäche zurück. Es habe ihm damals an Unterstützung gefehlt. »Was ich nicht bin, ist ein Lügner«, hatte er der Zeitung gesagt. Vielmehr seien die Vorwürfe gegen ihn rassistisch motiviert. Ardays Familie sprach nach dessen Tod von einer »Mobbing-Kampagne«.
DEI-Kritik bei Rechten beliebt
Die Vorwürfe gegen Arday wurden zuerst von dem US-Forscher Nathan Cofnas vorgebracht, der die Uni Cambridge 2024 wegen Rassismus-Vorwürfen verlassen musste. Sie wurden von rechtsgerichteten Zeitungen und Kommentatoren aufgegriffen, die Arday als »Aushängeschild« für Gleichstellungs- und Inklusionsprogramme (DEI) bezeichneten.
DEI-Programme werden unter anderem von der US-Regierung unter Präsident Donald Trump und den Anhängern seiner rechtsgerichteten Maga-Bewegung häufig als Begründung verwendet, um gegen Bildungseinrichtungen und Unternehmen vorzugehen, die sie als zu links ansehen. Wie im Fall Arday lautet der Vorwurf oft, Menschen würden nicht aufgrund ihrer fachlichen Eignung, sondern lediglich wegen ihrer Zugehörigkeit zu diskriminierten Minderheiten eingestellt. Dadurch würden beispielsweise weiße Menschen benachteiligt. Kritiker sehen in dieser Argumentation hingegen einen Vorwand, um Rassismus und andere Formen der Diskriminierung zu rechtfertigen.
