
Ob auf dem Schulweg, beim Fahrradfahren mit Freunden oder auf dem Weg zum Sportplatz, Kinder sind im Straßenverkehr deutlich mehr Gefahren ausgesetzt als Erwachsene. Im vergangenen Jahr sind 29.270 Kinder unter 15 Jahren bei Verkehrsunfällen verletzt worden, 74 davon tödlich. Das teilte das Statistische Bundesamt am Montag mit. Das bedeutet auch: 2025 ist durchschnittlich alle 18 Minuten ein Kind im Straßenverkehr verunglückt.
Damit kamen laut der Behörde sieben Prozent mehr Kinder zu Schaden als im Vorjahr, die Zahl der Todesopfer nahm über alle Altersgruppen hinweg zu. Während der Corona-Pandemie war die Zahl der Unfälle zunächst gesunken, sie ist in den vergangenen Jahren aber wieder gestiegen. Im vergangenen Jahr ereigneten sich die meisten Unfälle auf dem Fahrrad (34 Prozent), gefolgt vom Mitfahren im Auto (31 Prozent), dem Fußweg (20 Prozent) und der Fahrt mit dem E-Scooter (acht Prozent). Zum ersten Mal wurden zudem vier Todesfälle bei Fahrten mit dem E-Scooter registriert.
Warum Elterntaxis keine gute Idee sind
Die Gründe dafür sind vielfältig. Kinder lassen sich leichter ablenken und können Entfernungen und Geschwindigkeiten schlechter einschätzen als Erwachsene. Wegen ihrer geringen Körpergröße können sie zudem den Verkehr hinter Sichthindernissen schlechter überblicken und werden selbst erst später gesehen. Laut dem Statistischen Bundesamt verunglückten Kinder zwischen sechs und 14 Jahren besonders häufig in den frühen Morgenstunden, wenn sich viele von ihnen auf dem Schulweg befinden.
Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) beobachtet die aktuellen Entwicklungen mit Sorge. „Wir müssen Kinder zu sicherer, selbständiger Mobilität befähigen und zugleich den Verkehrsraum so gestalten, dass Fehler nicht zu schweren oder tödlichen Verletzungen führen“, sagt DVR-Präsident Manfred Wirsch. „Rund um Schulen treffen viele Kinder, Autos und Fahrräder auf engem Raum zusammen, häufig gleichzeitig mit dem Berufsverkehr.“
Eltern empfiehlt Wirsch, gemeinsam den Schulweg zu üben, unter realen Verkehrsbedingungen: „Hilfreich ist ein Rollentausch. Das Kind führt die Eltern und erklärt selbst, wo Gefahren liegen und wie es sich dort richtig verhält.“ Von sogenannten Elterntaxis rät der DVR ab. Diese wirkten dem Lernprozess entgegen und verschärften unübersichtliche Situationen.
E-Scooter können besonders gefährlich sein
Die wichtigste Grundregel: Kinder sollten Straßen immer an übersichtlichen Stellen überqueren, vorher stehen bleiben und niemals unvermittelt zwischen geparkten Fahrzeugen auf die Straße treten. Besondere Vorsicht ist bei Kreuzungen und Einmündungen gegeben. Auch in Gruppen lassen sich Kinder leichter durch Gespräche oder Spielereien ablenken.
Beim Fahrradfahren müssen Kinder gleichzeitig ihr Rad beherrschen, die Regeln beachten und den Verkehr einschätzen. „Anfahren, Bremsen, Spurhalten, Umschauen und Handzeichen müssen sicher funktionieren, bevor Kinder allein im Straßenverkehr unterwegs sind“, rät Wirsch.
Den Einsatz von E-Scootern sieht der DVR kritisch und fordert, das Mindestalter von 14 auf 15 Jahre anzuheben. Die Roller können Geschwindigkeiten bis zu 20 Kilometern in der Stunde erreichen. Hohe Geschwindigkeiten, eine starke Bremswirkung und kleine, auf Unebenheiten empfindlich reagierende Räder würden dabei zur Gefahrenquelle, so Wirsch: „Nicht auf Gehwegen fahren, niemals zu zweit und kein Smartphone während der Fahrt.“
Auch das Bahnfahren kann man üben
Bei öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Gefahrenpotential beim Ein- und Aussteigen sowie an Bahnübergängen am größten. Laut einem Papier des DVR kommt es zwar selten zu Unfällen an Haltepunkten, oft sind diese jedoch besonders schwerwiegend – wegen der hohen Masse der Fahrzeuge. Laut ADAC sind 95 Prozent aller Unfälle an Bahnübergängen auf das Fehlverhalten der Verkehrsteilnehmer zurückzuführen.
Wer gestresst ist, neigt dazu, zur wartenden Bahn zu rennen oder eine rote Ampel zu missachten, heißt es im DVR-Papier. Daher sollte auch für den Schulweg genügend Zeit eingeplant werden. Was Eltern mit ihren Kindern üben können: innerhalb der ausgewiesenen Warteflächen zu stehen, beim Einschwenken von Bus und Bahn genügend Abstand zu halten und beim Ein- und Aussteigen auf den Rad- und Autoverkehr zu achten, insbesondere bei Ausstiegen auf der Straße.
