
Herr Prüfer, Sie sind seit 26 Jahren Vater und schreiben in Ihrem Buch, Ihre Erziehungsbilanz sei eher mäßig. Woran machen Sie das fest?
Was ich damit sagen wollte, ist, dass auf uns als Eltern – gerade als jungen Eltern – ein unglaublicher Druck von der Gesellschaft herrscht. Weil Eltern sich heute vornehmen, ihren Kindern alles Mögliche beibringen zu müssen: sie emotional stark zu machen, aber auch ihre Intelligenz zu fördern. Wenn man aber mit ein bisschen Abstand darauf schaut und fragt: Was habe ich jetzt bewirkt? Was haben die von mir mitgenommen? Dann merkt man: Sie haben vieles von dem nicht gemacht, was ich wollte, aber sie haben viele Sachen selbst gemacht, die ich gar nicht auf dem Schirm hatte, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Wenn von diesen großen Dingen, die ich im Kopf hatte, so wenig umgesetzt ist – keines meiner Kinder spielt heute mit Wonne Klavier oder Klarinette; sie sind weder begeisterte Schwimmer geworden, noch lesen sie so viel, wie ich wollte –, dann fragt man sich: Was ist eigentlich angekommen? Was war wirksam an der Zeit, die wir miteinander hatten?
