
Es ist ein fester Termin im Jahr, der jeweils mit hoher Herzfrequenz verbunden ist. Erst auf dem Fahrradergometer, wenn es gilt, bei wachsender Belastung möglichst lange durchzuhalten. Dann bei der Abschlussbesprechung, wenn das Urteil über die angestrebte Tauglichkeit fällt. Die sportmedizinische Untersuchung zählt für Athletinnen und Athleten aller Leistungs- und Altersklassen zum Pflichtprogramm. Ohne sie können sie in vielen Bereichen nicht an Wettkämpfen teilnehmen. Die Leistungsdiagnostik dient zudem der Prävention und Früherkennung von Schwierigkeiten.
Die Otto-Fleck-Schneise in Frankfurt ist dabei seit Jahrzehnten feste Anlaufstelle. Seit 1984 standen das Sportmedizinische Institut (SMI) und seit dessen Insolvenz 2015 die Sportklinik für die Kontrolluntersuchungen zur Verfügung. Vor wenigen Tagen hat jedoch das Hessische Ministerium für Familien, Sport, Gesundheit und Pflege mitgeteilt, dass die Einrichtung zum 30. Juni schließt und die Universitätsklinik vom 1. Juli an den Service für Landes- und Bundeskaderathleten übernimmt. Diejenigen, die nicht zu dieser Auswahl zählen, finden in dem landesweiten Netz an Untersuchungsstellen Hilfe, wie Markus Kremin erklärt. Der Leiter des Olympiastützpunkts Hessen, der zu den Initiatoren des Wandels zählt, beurteilt diesen sehr positiv.
Neues Kompetenzzentrum für Leistungssport
In Zukunft könnten Sportler, bei denen sich bei den Kontrollen Auffälligkeiten ergeben, direkt an Spezialisten der Uniklinik weiterverwiesen werden. Am Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin entsteht ein neues Kompetenzzentrum für den Leistungssport. „Die Universitätsmedizin bietet über die sportmedizinische Untersuchung auf Spitzenniveau hinaus auch ein dichtes Wissensnetzwerk, um etwaige Befunde professionell abzuklären und die Jugendlichen mit ihren Eltern zu beraten“, sagt Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor der Uniklinik. „Die enge Kooperation mit unseren Spezialisten – von der Kinder- und Jugendmedizin über die Orthopädie bis hin zum Zentrum für Arrhythmiesyndrome und plötzlichen Herztod – dürfte in dieser Form deutschlandweit einmalig sein.“
Es gab seit Jahren die Idee, die Sportuntersuchungen neu aufzustellen. Viele Athleten und Betreuer waren mit der Situation nicht mehr zufrieden. Zudem erwies sich das Modell der Sportklinik als schwierig. Nun sahen sich die Verantwortlichen des Landessportbundes, des Olympiastützpunkts und des Ministeriums gezwungen, sowieso über die Zukunft nachdenken zu müssen.
Auf dem Gelände neben dem Waldstadion, auf dem unter anderem auch der Deutsche Olympische Sportbund, die Stiftung Deutsche Sporthilfe und mehrere Fachverbände residieren, soll in den nächsten Jahren der Campus Sportdeutschland entstehen. Das Gebäude der Sportklinik soll im Zuge der geplanten Maßnahmen als Erstes abgerissen werden. An seiner Stelle ist ein Hallenkomplex für die vier olympischen Sportarten des Deutschen Turner-Bundes und den Volleyball-Stützpunkt geplant. Die Arbeiten dafür könnten schon Mitte 2028 beginnen.
Eintracht drängt an die Otto-Fleck-Schneise
Seit dem Abschied von Heinz Lohrer noch zu Zeiten des SMI war kein Orthopäde mehr ständig in der Otto-Fleck-Schneise anwesend, was im leistungssportlichen Umfeld als Defizit empfunden wurde. Bei der Gründung der Sportklinik hatte Johannes Peil die ärztliche Leitung übernommen und zweimal in der Woche Sprechstunden abgehalten; nach dem Tod des bekannten Bad Nauheimer Sportmediziners, der beispielsweise auch als Vertrauensarzt des siebenfachen Formel-1-Weltmeisters Michael Schumacher galt, hat derzeit Alexander Lukas die Führung inne. Neues Personal zu finden, erwies sich als schwierig. Ein Teil der Mitarbeiter soll nun mit an die Uniklinik wechseln.
Ein Problem der Sportklinik war, dass sie keine Kassenzulassung besaß. Nicht von den Verbänden geförderte Patienten mussten die Behandlungen teuer selbst bezahlen. In finanzieller Hinsicht hat sich das Konzept nicht getragen. Der Zuschuss des Landes betrug 700.000 Euro. Das Defizit sei aber nicht der Grund für die Schließung, sagt Kremin. Er selbst plant am OSP ein eigenes Arztzimmer, in dem die von außen kommenden Partnerärzte Interventionssprechstunden abhalten sollen.
