
Der Essener Industriekonzern Thyssenkrupp will Investoren auf einem Kapitalmarkttag Ende September über den Umbau seiner Stahlsparte informieren. „Wir haben immer gesagt, dass wir den Stahl verselbständigen wollen“, sagte der Finanzvorstand Axel Hamann am Donnerstag in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Mit dem Kapitalmarkttag wolle man dafür Transparenz schaffen.
Schließlich sei einiges passiert: mit dem Verkauf der Beteiligung an dem Stahlunternehmen HKM, durch positive regulatorische Rahmenbedingungen dank neuer EU-Schutzmaßnahmen auf Stahlimporte und durch das laufende Umbauprogramm der Stahlsparte. Der Kapitalmarkttag sei der richtige Zeitpunkt, um mit den Investoren zu sprechen, sagte Hamann: „Das impliziert aber keinen Zeitplan für eine Verselbständigung.“
25.000 von 90.000 Beschäftigten arbeiten in der Stahlsparte
Thyssenkrupp Steel Europe ist der größte Stahlhersteller Deutschlands. Es ist ein Geschäft, für das der Industriekonzern schon seit Jahren Partner sucht, aber sich bislang nie einigen konnte. Es läuft ein Restrukturierungsprogramm, in dem Tausende Stellen gestrichen werden. Für die Sparte gibt es zudem einen Einstellungsstopp. Rund 25.000 Menschen arbeiten noch im Stahlbereich von Thyssenkrupp. Insgesamt beschäftigt der Konzern knapp 90.000 Mitarbeiter.
In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/2026 (zu Ende September) konnte Thyssenkrupp Steel Europe den bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) deutlich steigern. Trotz leicht gesunkener Umsätze in Höhe von rund sieben Milliarden Euro stieg der Gewinn von 177 Millionen Euro im Vorjahr auf jetzt 373 Millionen Euro. Neben dem Restrukturierungsprogramm trugen auch „Effizienzgewinne in Produktion und Logistik“ sowie vorteilhafte Rohstoffkosten dazu bei. Herausgerechnet sind darin Restrukturierungskosten in Höhe von 385 Millionen Euro.
Diese Kosten waren auch der Grund dafür, dass konzernweit unterm Strich ein Minus von 311 Millionen Euro steht, nach 121 Millionen Verlust im Vorjahr. Der bereinigte operative Gewinn legte hingegen um fast zwei Drittel zu auf 591 Millionen Euro, insgesamt setzte der Essener Industriekonzern knapp 24,4 Milliarden Euro um. Im Gesamtjahr erwartet der Konzern einen Rückgang der Erlöse zwischen einem und drei Prozent. Für das bereinigte Ebit rechnet Thyssenkrupp mit einem Wert zwischen 600 und 900 Millionen Euro und einem Verlust in einer Spanne von 400 bis 700 Millionen Euro.
Der Thyssenkrupp-Vorstandsvorsitzende Miguel López will den Konzern umbauen zu einer Holdingstruktur mit verschiedenen Beteiligungen. Im vergangenen Oktober wurde die Marinesparte TKMS an die Börse gebracht, im Herbst soll die Materialsparte TK Accelis folgen. An denen hält Thyssenkrupp jeweils 51 Prozent.
