Landrat Sandro Zehner wird deutlich: „Du bist ein Knallkopp“ sagt der CDU-Politiker in einem auf Facebook veröffentlichen Video. Er meint damit jenen Unbekannten, den inzwischen der halbe Taunus für eine Serie von Bränden in der Gemeinde Bad Schwalbach verantwortlich macht. Die Bürger, die das Filmchen kommentieren, finden deutlichere Bezeichnungen, manche fordern harte Strafen. „Sollte es wirklich Brandstiftung sein, so ist es für mich ein Angriff auf die Einsatzkräfte und uns Bürger im Rheingau-Taunus-Kreis“, schreibt ein Mann.
Seit gut einer Woche hat es in den Wäldern um die Ortsteile von Bad Schwalbach mehrmals gebrannt. Zuletzt am Mittwoch zwischen Hohenstein und Adolfseck und nahezu zeitgleich bei Heimbach. Diesmal waren es 3500 Quadratmeter an einem Steilhang, über den sich die Flammen gefressen haben. Am Montag zerstörten sie bei Hettenhain 8000 Quadratmeter Vegetation. Vom Feuer am Mittwoch zuvor, das zwei Tage zwischen Breithardt, Born und Adolfseck immer wieder aufflammte, wurden 25.000 Quadratmeter in Mitleidenschaft gezogen.
Insgesamt sind rund um Frankfurt in einer Woche knapp 60 Hektar Wald, Wiesen und Felder in Brand geraten. Mindestens ein Dutzend Einsatzkräfte hat bei Löscharbeiten zumeist Rauchgasverletzungen erlitten. Die Schäden auf der größten Brandstelle bei Rodenbach im Main-Kinzig-Kreis hat am Donnerstag Hessens Forst- und Landwirtschaftsminister Ingmar Jung (CDU) in Augenschein genommen.
„Verheerend“, lautet sein Urteil, nachdem er den Brandort gesehen hat. In Rodenbach waren in einem 55 Hektar großen Areal mehrere Feuer ausgebrochen, vermutlich war Brandstiftung die Ursache. Mittlerweile sind die Flammen gelöscht. Tatsächlich niedergebrannt seien in dem Gelände knapp 30 Hektar Mischwald, unter anderem mit Kiefern, Buchen und Douglasien, sagt bei Jungs Besuch Nils Koch, der bei Hessenforst für das Revier Rodenbach zuständig ist. Jung kündigt an, dass Hessen weiter an der Prävention von Waldbränden arbeiten werde, aber „wir werden sie bei solchen Sommern nicht verhindern können“. Schon im Herbst soll mit der Aufforstung des Walds begonnen werden.
Wasser muss kilometerweit transportiert werden
In Bad Schwalbach wurden die Feuer jedes Mal nachmittags entdeckt. Am Montag hatte ein Mann mit Rad einem Forstarbeiter den Brand gemeldet. Er wird nun als Zeuge gesucht. Man müsse davon ausgehen, dass man es mit „vorsätzlich entzündeten Feuern“ zu tun zu habe, sagt auch Landrat Zehner in seinem Video und ruft wie die Polizei die Bürger dazu auf, sich zu melden, wenn sie etwas oder jemanden beobachtet haben. Er platziert noch einen weiteren Appell: „Hirn anschalten“, ruft er jenen zu, die in diesen Tagen mit einem Brenner das Unkraut neben ihrer Hecke entfernen wollen. Bei dieser Trockenheit dürfe man draußen „gar nichts mit Feuer“ machen.
Das scheint nicht allen klar. Nach zwei Bränden in Maintal-Dörnigheim gibt es einen Anfangsverdacht gegen einen Jugendlichen, teilte die Polizei mit. Auch in Erlensee im Main-Kinzig-Kreis ist wohl jugendlicher Leichtsinn Grund für ein Feuer: Ein Sechzehnjähriger hat dort am Mittwoch Feuerwerk gezündet und auf das trockene Gras geworfen. Er wurde vorläufig festgenommen. Im Fall von Hattersheim, wo es am Mittwoch ebenfalls brannte, gibt es noch keine Angaben zur Ursache.
Was Leichtsinn oder Mutwillen von manchen auslösen, kostet andere viel Kraft. Um das jüngste Feuer bei Bad Schwalbach zu löschen, waren rund 250 Wehrleute nötig. Nach den Worten von Michael Ehresmann, Kreisbrandmeister im Rheingau-Taunus-Kreis, waren an dem Tag sieben Waldbrände angezeigt worden, darunter Falschmeldungen.
Die Belastung für die durchweg ehrenamtlichen Einsatzkräfte sei extrem, sagt Ehresmann. Bei den Löscharbeiten an dem steilen Hang hätten sie weite Strecken zu Fuß gehen müssen. Zudem müssten Schläuche verlegt, schweres Gerät transportiert und Böden teils unter hohem Kraftaufwand aufgegraben werden – all das in der Hitze des Feuers und der hohen Sommertemperaturen.
Trotzdem sei die Stimmung gut, sagt der Kreisbrandmeister. Auch, weil die Zusammenarbeit zwischen den Wehren gut funktioniere. Nicht nur Hunderte Aktive der Freiwilligen Feuerwehren aus allen 17 Kommunen des Kreises, sondern auch Rettungsdienste, Land- und Forstwirte sowie die Polizei rücken jedes Mal in die brennenden Wälder aus. Zu ihrer Unterstützung lieferten im Untertaunus Bäcker und Supermärkte extra Verpflegung an die Einsatzorte. Die Bürger hinterlassen derweil unter anderem in den sozialen Medien viel Dank und Lob.
Dennoch nehme er seit Mittwoch auch eine Müdigkeit unter den Helfern wahr, sagt Ehresmann. „Weil es jetzt einfach an die Substanz geht.“ Die vielen Einsätze mit dem Privat- und Berufsleben in Einklang zu bringen, sei herausfordernd. Zumal es mit dem Kommando „Feuer aus“ nicht getan sei: Denn das Material muss immer wieder auch eingesammelt und einsatzbereit gemacht werden. 1,4 Kilometer war die Schlauchleitung am Mittwoch lang, in der Wasser aus einer Kläranlage zum Brandort geführt wurde. Jedes Schlauchstück muss nun gereinigt und geprüft werden. Im Wald fällen derweil Forstarbeiter die ersten heruntergebrannten Bäume.
