Dem Fortschritt gelingt es immer wieder, in Ecken und Winkel vorzudringen, wo man ihn gar nicht mehr erwartet. Die Packtasche fürs Fahrrad etwa schien ausgereift und im Großen und Ganzen am Ende ihrer Entwicklung angelangt zu sein. Zwar existieren Varianten verschiedenster Materialien, Größen, Formen und Farben, aber meistens nach dem gleichen Prinzip: eine Tasche, durch einen Rahmen oder ein Platte versteift, die mittels externer Haken an den Gepäckträger gehängt wird. Beim Fahren prima, beim Tragen nicht so. Nun hat sich der Anbieter Thule etwas anderes überlegt.
Mit seinem InLock genannten System trennt Thule Tasche und Gestell baulich voneinander. Letzteres wird separat an die Seite des Gepäckträgers geschraubt und dauerhaft dort belassen. Das Behältnis selbst ist frei von jeglichen starren, sperrigen Bauteilen, entsprechend leichtgewichtig und trägt sich in der Hand so angenehm wie beispielsweise eine gewöhnliche Einkaufstasche.

Zunächst also wird am Fahrrad der Träger befestigt. Daran befindet sich ein ausklappbarer Bügel mit Verriegelung. Über diesen Bügel wird eine an der Rückseite der Tasche befindliche Stofflasche gestülpt. Wird nun der Bügel wieder eingeklickt, hält die Tasche klapperfrei am Fahrrad. Das ist ein Vorgang, der nur wenige Sekunden in Anspruch nimmt, ebenso wie das Entfernen der Tasche, die sich auch unabhängig vom Fahrrad nützlich macht. Man nimmt sie mit ins Büro, in den Laden, trägt den Einkauf zu Hause in die Küche.
Die Halterung allein kostet 40 Euro. Dazu gibt es ein Sortiment unterschiedlicher für InLock konzipierter Behältnisse. Die von uns ausprobierte Einkaufstasche kostet 70 Euro, eine Kuriertasche 85, eine 25-Liter-Packtasche 120, eine Kühltasche 130 Euro, jeweils aus wasserabweisendem Material gefertigt. Wasserdichtigkeit verspricht Thule für eine 100 Euro kostende Packtasche sowie eine Aktentasche und einen Rucksack für jeweils 150. Es sind schicke Teile für Alltag oder Tour.

Keine Zierde fürs Fahrrad indes stellt nach unserem Geschmack das robust wirkende Kunststoffgestell der Halterung dar. Manch ein Fahrradästhet ist ja pingelig in dieser Hinsicht. Das InLock-System kann laut Hersteller an den meisten Gepäckträgern angebracht werden, es ist geeignet für Rohrdurchmesser von zehn bis 16 Millimetern. Wir probierten es an mehreren Rädern aus und können das bestätigen. An die rechteckigen Heckträger eines Cube-Rades passte der InLock-Träger nicht. Für solche Fälle, für Räder, die nicht mit einem „normalen“ beziehungsweise gar keinem Gepäckträger ausgestattet sind, verweist Thule auf sein Zubehörprogramm. Dort findet sich das Notwendige in Gestalt eines Tour Rack genannten Universalträgers für 130 Euro, eines Satzes Seitenrahmen für 40 Euro sowie der notwendigen InLock-Adapter für weitere 40 Euro. Die zusätzlichen Ausgaben würden sich auf 210 Euro summieren.
Im Normalfall ist das Anbringen der Halterung mithilfe der dafür zur Verfügung gestellten Schrauben und Klemmen keine Kunst. Wer mit Ikea-Bauplänen zurechtkommt, erledigt das innerhalb einiger Minuten. Als einziges Werkzeug wird ein Drei-Millimeter-Sechskant benötigt, der leider nicht zum Lieferumfang gehört, in den meisten Haushalten aber x-fach vorhanden sein dürfte.
