Diese rasche Entwarnungsmeldung kam nicht unerwartet: Der mittelalterliche Teppich von Bayeux hat bei seinem Transport nach London französischen Angaben zufolge keine „sichtbaren“ Schäden erlitten, sagte die Direktorin für Kulturerbe und Architektur im Pariser Kulturministerium, Delphine Christophe, der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag im British Museum in London. Sie könne „bestätigen, dass keine sichtbaren Veränderungen festgestellt wurden und dass der Wandteppich die Reise gut überstanden hat“. Christophe ging jedoch nicht näher auf die Art und Genauigkeit der vorgenommenen konservatorischen Untersuchungen ein.
Der Teppich war in der vergangenen Woche im nordfranzösischen Bayeux in einen Hightech-Behälter verfrachtet und nach London transportiert worden. Er wurde unter starkem Polizeischutz in einem klimatisierten Lastwagen durch den Kanaltunnel nach Großbritannien gefahren. Als 2025 die Entleihezusage des französischen Präsidenten Emmanuel Macron an England bekannt wurde, versammelte eine Onlinepetition unter Führung des Kunsthistorikers Didier Rykner in kürzester Zeit an die 100.000 Gegenstimmen, die gut begründete konservatorische Bedenken in Anschlag brachten, da jeder Transport eines beinahe tausend Jahre alten Textils ein erhebliches Risiko weiterer Beschädigungen wie haarfeiner und für das menschliche Auge zuerst unsichtbarer Risse mit sich bringt.
Dass Macron über dieses unersetzliche Weltkulturerbe (seit 2007 ist die Tapisserie „Memory of the World“) aus rein politisch-diplomatischen Gründen nach Gutsherrenart verfügte, ohne Bedenken von Experten ernst zu nehmen, trug zum Unmut der großen Schar der Entleihungs-Gegner bei. Die Leihgabe dürfte jedenfalls die aufwendigste und umstrittenste diplomatische Geste zur Bekräftigung der französisch-britischen Freundschaft darstellen.

Kamen zu den 30 bisherigen Rissen wirklich keine neuen hinzu?
Der heute „nur“ noch 68 Meter, einst über siebzig Meter lange bestickte Teppich aus dem späten elften Jahrhundert erzählt die Geschichte von Wilhelm dem Eroberer, der den Ärmelkanal überquerte und den englischen König Harold II. in der Schlacht von Hastings im Jahr 1066 besiegte. Genau genommen handelt es sich gar nicht um einen Teppich, also eine Web- oder Knüpfarbeit, sondern vielmehr um besticktes Leinen. Doch hat sich die Bezeichnung im Deutschen eingebürgert und geht als historisierender „Wandteppich“ auch in Ordnung.
Das Meisterwerk hatte schon vor seinem Transport dreißig Risse und fast 10.000 Löcher, weshalb viele Experten nachdrücklich vor der strapaziösen Fahrt gewarnt hatten. Auch in einer wissenschaftlichen Studie aus dem Jahr 2021 war von Transport-„Risiken“ die Rede gewesen. Trotzdem wurde er nun nach London gebracht.
Zur 960. Wiederkehr der Schlacht von Hastings im Oktober 2026 und bis Juli 2027, mithin weit in das tausendste Geburtstagsjahr Williams 2027 hinein, soll der Teppich nun „Goodwill“-Botschafter Macrons in London sein. Konkret wird er vom 10. September an in einer eigens angefertigten flachen Vitrine im British Museum zu sehen sein. Bei seinem Onlineticket-Vorverkauf setzte das Museum bereits zehntausende Eintrittskarten ab.
