Das Gebäude liegt etwas versteckt im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen. Wer vom Stadion kommend auf der Kennedyallee stadteinwärts fährt, dem fällt der 2025 fertiggestellte Neubau hinter der Shell-Tankstelle an der Sandhöfer Allee kaum auf. Aber er ist ein Ort der Spitzenforschung, dort hat das Fraunhofer-Institut für Translationale Medizin und Pharmakologie seinen Sitz. Entworfen wurde es von dem Frankfurter Architekturbüro Wörner Traxler Richter, das zu den führenden Planungsteams für Forschungs- und Gesundheitsimmobilien zählt und kürzlich sein Bestehen seit 55 Jahren feierte. Forscher sollen in dem neuen Institut trotz der Lage neben einer stark befahrenen Bahnstrecke ruhige Arbeitsmöglichkeiten finden. Unter anderem gibt es einen geschützten Innenhof als Rückzugs- und Begegnungsort.
Für die Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen (AKH) ist das Projekt des Fraunhofer-Instituts so bemerkenswert, dass es für die Präsentation beim Tag der Architektur am nächsten Wochenende ausgewählt worden ist. 70 Bauten, Inneneinrichtungen, Plätze oder Gärten in ganz Hessen, die oft nicht öffentlich zugänglich sind, können am Samstag und am Sonntag besichtigt werden. Bauherrn und Architekten erläutern ihre Konzepte. „Architektur ist immer auch ein Spiegelbild ihrer Gesellschaft, der damit verbundenen Werte und Haltungen“, sagt Gerhard Greiner, der Präsident der Architektenkammer. „Der Tag der Architektur macht diese gesellschaftliche Bedeutung der gebauten Umwelt unmittelbar erfahrbar.“ Und so wird präsentiert, was auch in den öffentlichen Debatten eine große Rolle spielt.

Stark vertreten sind in der Rhein-Main-Region wie schon in den vergangenen Jahren Schulen und Kindertagesstätten, aber auch Wohnprojekte. Mit dabei sind zum Beispiel das Schönhofviertel am Frankfurter Westbahnhof, derzeit das größte Neubaugebiet Hessens, oder das nachverdichtete Schönau-Quartier in Wiesbaden. Als Beispiel für modulares Bauen mit Holzelementen ist die Erweiterung der Wohnanlage Hessenring in Rüsselsheim vertreten. Zwischen den in den Sechzigerjahren errichteten Häuserzeilen wurden nach Plänen des Frankfurter Büros FFM-Architekten dreigeschossige Satellitenbauten errichtet, die über Stege mit den Bestandsgebäuden verbunden sind. Dadurch sind nicht nur neue Wohnungen entstanden, sondern auch barrierefreie Zugänge zur gesamten Anlage.
Auch kleine Bauvorhaben werden gewürdigt
Eine wichtige Rolle spielen sanierte oder umgebaute Bestandsgebäude. Die ganz großen Projekte, im Zuge derer etwa Bürohochhäuser zu Wohntürmen wurden, fehlen in diesem Jahr. Dafür werden die kleinen Vorhaben gewürdigt. Besichtigt werden können zum Beispiel Einfamilien- und Reihenhäuser, die für das gemeinsame Wohnen mehrerer Generationen weiterentwickelt wurden.

Ein besonderes Vorhaben der Umnutzung befindet sich in Linsengericht im Main-Kinzig-Kreis. Dort wurde eine ehemalige Kirche verkauft und von der neuen Eigentümerin in ein Wohn- und Geschäftshaus umgebaut. Das Büro hkr Architekten aus Gelnhausen habe mit minimalen Eingriffen ein nachhaltiges und wirtschaftliches Konzept realisiert, heißt es in der Begleitbroschüre zum Tag der Architektur. Der Bestand blieb weitgehend erhalten, durch Dämmung und eine neue Fassade wird aber der Standard eines Effizienzhauses 55 erreicht.

Wer sich für Schulen interessiert, hat am Wochenende die größte Auswahl. Das Spektrum reicht von Sanierungen über Erweiterungen bis zu Neubauten. Aus Frankfurt ist zum Beispiel die Charles-Hallgarten-Schule am Bornheimer Hang dabei, die in Holzmodulbauweise erweitert wurde.
Aber es sind auch einige besondere, nicht alltägliche Entwürfe im Programm. In Frankfurt zählt das Deutsche Architekturmuseum dazu, das im vergangenen Jahre nach mehrjähriger Sanierung wieder eröffnet wurde. Auch am Flughafen kann man sich umschauen: Gezeigt werden die umgestalteten Check-in-Schalter im Terminal 1 und die neue Station der automatischen Skyline-Bahn.

Das Rahmenprogramm beginnt schon am Donnerstag, 25. Juni, um 18 Uhr mit einer Veranstaltung zum Thema Wohnen in der Evangelischen Cyriakuskirche, Auf der Insel 5, im Frankfurter Stadtteil Rödelheim. Die Architekten Stefan Forster, Manuel Mauder und Antje Sommerkamp stellen ihre Projekte vor, die am Wochenende zu besichtigen sind. Anschließend diskutieren sie, moderiert von F.A.Z.-Redakteurin Mechthild Harting, mit Mitgliedern des für den Tag der Architektur zuständigen Auswahlgremiums.
Mit dabei ist die Architektin Antje Sommerkamp. Sie hat ihr Wohnhaus im Frankfurter Stadtteil Praunheim saniert, das vor 100 Jahren in der Ära des „Neuen Frankfurt“ entstanden ist. Dabei sei sie sensibel mit der historischen Substanz umgegangen und habe die ursprüngliche Qualität der Architektur mit klaren Grundrissen und funktionalen Details wieder herausgearbeitet, heißt es in der Projektbeschreibung.
Von Stefan Forster stammt die Planung für die Aufstockung und Nachverdichtung der Platensiedlung, eines in den Fünfzigerjahren in Frankfurt entstandenen Wohngebietes für amerikanische Soldaten. Manuel Mauder schließlich war an der Planung des gemeinschaftlichen Wohnprojekts Kolle im Frankfurter Stadtteil Griesheim beteiligt. Es ist eines von zwei Häusern in Frankfurt, die die Bewohner selbst als Gruppe geplant und gebaut haben und die am Wochenende zu besichtigen sind.
Weitere Informationen zum Tag der Architektur, das vollständige Programm und die Zeiten der Führungen in den einzelnen Häusern sind im Internet unter www.akh-tda.de zu finden.
