
Gießener Pflanzenökologen leisten auf einem Versuchsfeld in Linden unweit der Unistadt an der Lahn wertvolle Arbeit. Das Versuchsfeld firmiert als Umweltbeobachtungs- und Klimafolgenforschungsstation. So unverdaulich dieser Name klingt, so umfassend beschreibt er die Aufgaben der Wissenschaftler. Sie beobachten den Einfluss der sich verändernden Umwelt und des Klimawandels auf die Pflanzenwelt und die Mikroben im Boden. Das ist kein Selbstzweck: Aus ihren Erkenntnissen ziehen sie Rückschlüsse für die Landwirtschaft der Zukunft.
Für die Arbeit der Uni Gießen in Linden interessieren sich die UN
In der Klimaforschungsanlage versorgen die Forscher unter anderem Pflanzen mit mehr Kohlendioxid, als in der Luft in der Gegenwart vorhanden ist. Ohne dieses Gas können Pflanzen nicht wachsen. Mithilfe des Sonnenlichts wandeln sie es in Zucker und Sauerstoff um. Der Zucker dient den Gewächsen als Energiequelle, den Sauerstoff geben sie ab. Das nennt sich Photosynthese. Davon profitieren Mensch und Tier. Die Pflanzen bekommen so viel Kohlendioxid, wie die Forscher in der Luft im Jahr 2050 erwarten. Und sie haben nachgewiesen: „Viel hilft viel“ gilt in diesem Fall nur bedingt.
Denn immer größere Mengen des Gases verschlechtern die Qualität des Grases. Das hilft weder den Kühen, die es fressen, noch den Bauern. Vor allem aber geben Pflanzen mehr Kohlenstoff in den Boden ab. Dort nehmen Bakterien den Stoff auf und produzieren klimaschädliches Lachgas. Das kann gar nicht oft genug wiederholt werden.
Kaum zu überschätzen ist die Arbeit der Klimaforscher aus mehreren Gründen. Erstens liegt sie auf seit jeher landwirtschaftlich unberührten Auenwiesen. Zweitens besteht die Anlage seit fast drei Jahrzehnten. Drittens verfügt sie über entsprechend einzigartige Erkenntnisse und Datenreihen. Zumal Wissenschaftler dort schon seit den Siebzigerjahren geforscht und die Vorarbeit geleistet haben. Für diese Arbeit interessiert sich die Welt. Das ist nicht zu hoch gegriffen. Die Gründung des Liebig Centre, der ersten Zusammenarbeit einer deutschen Hochschule mit den Vereinten Nationen in der Klimaforschung, zeugt am Ort davon.
Diese Forschung muss zwingend weiterlaufen. Denn der Klimawandel kümmert sich nicht um politische Vorlieben und Meinungsumfragen. Die 100.000 Euro, die das Land den Forschern vertraglich Jahr für Jahr zugesichert hat, sind eine überschaubare Summe und gut angelegt. Ob ein grundsätzlich zum Sparen verpflichtetes Landesamt sie zahlt oder ein Ministerium, ist zweitrangig.
