
Mit dem Gebäude an der Otto-Fleck-Schneise 6 verbindet Axel Hellmann keine guten Erinnerungen. Der Vorstandssprecher von Eintracht Frankfurt kam „manchmal mit wackeligen Knien“ zu sportgerichtlichen Terminen in der ehemaligen Zentralverwaltung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Die seien nie vergnügungsteuerpflichtig für den Fußball-Bundesligisten ausgegangen.
Am Mittwoch ist Hellmann völlig entspannt in das Gebäude gekommen, das seit Kurzem den Namen „Sportquartier im Stadtwald“ trägt. Zusammen mit dem Präsidenten der Goethe-Universität, Enrico Schleiff, unterzeichnete er ein Memorandum of Understanding (MoU), das die Kooperation der beiden Frankfurter Institutionen vertiefen soll. Im Zentrum steht ein gemeinsamer Masterstudiengang im Sportmanagement, der zum Sommersemester 2027 beginnen soll. „Wir wollen im Bereich der Forschung eng zusammenarbeiten“, kündigte Schleiff an. Ein wesentliches Credo sei, dass Wissen dort entstehe, wo Wissenschaft mit Experten aus der Praxis zusammentreffe.
Kooperation ist „logische Konsequenz“
Ein Teil des sportwissenschaftlichen Instituts der Uni sei bereits in das frühere DFB-Gebäude eingezogen. Geplant seien Forschungsprojekte zur Verletzungsprävention, mentaler Gesundheit, Trainingsmethoden, Leistungsdiagnostik und Digitalisierung. Rechtliche und wirtschaftliche Fragen im nationalen und internationalen Sport sollen ebenfalls untersucht werden. „Gesundheit ist nicht nur die Behandlung und Versorgung, sondern auch die Vorsorge und Rehabilitation. Und in allen Bereichen spielt Sport eine in Deutschland noch unterschätzte Rolle“, sagte Schleiff.
Die Kooperation mit der Eintracht sei eine „logische Konsequenz“. Der Uni-Präsident betonte, dass die Eintracht bei einigen Themen eine Vorreiterrolle spiele. Insbesondere von der Digitalisierung beim Fußballklub sei er total beeindruckt. Das Gleiche gelte für die Bestrebungen in der Nachhaltigkeit.
Warum haben diese beiden Frankfurter Institutionen dann erst zueinander gefunden? „Ein wesentlicher Motor ist, dass der Uni-Präsident eine gewisse Leidenschaft für Eintracht Frankfurt hat“, sagte Hellmann. So gebe es nun ein Verständnis für das, was bei der Eintracht gebraucht werde und wie man Dinge umsetzen könne, anders als bei früheren Führungspersönlichkeiten, die eine etwas größere Distanz zum Profifußball hätten.
Von dieser gewachsenen Nähe profitieren Studenten der Goethe-Universität schon seit dem Wintersemester durch die Verlosung von Ticketkontingenten für Heimspiele der Eintracht. 50 Karten gehen jedes Mal an die Goethe-Uni.
Hoher Bedarf an Fachleuten, sehr schwer, sie zu bekommen
Ein nationales oder internationales Vorbild für die Zusammenarbeit zwischen Universität und Fußballklub habe es nicht gegeben, betonten Hellmann und Schleiff. Es gebe Klubs, so Hellmann, die mit Universitäten kooperieren, „aber die haben alle unterschiedliche Themenschwerpunkte“. Dem Vorstandssprecher war wichtig zu betonen, dass die Eintracht der größte Mehrspartenverein der Welt sei, mit einer angeschlossenen Profifußballmannschaft. „Wir haben 16.000 Sportaktive auf 61 Sportstätten im Frankfurter Stadtgebiet. Das ist gewaltig“, sagte Hellmann. Der Sport spiele bei der Integration von Menschen und eben auch Studenten eine große Rolle.
Der Profiklub Eintracht Frankfurt befindet sich zudem nicht nur im nationalen, sondern auch im internationalen Wettbewerb um Fachkräfte. „Der Bedarf an Fachleuten ist extrem hoch und sie zu bekommen extrem schwer“, so Hellmann. Das gelte sowohl für kaufmännische Berufe, Marketing als auch in der IT. Und beim Thema Künstliche Intelligenz werde es ebenfalls eine Herausforderung, Leute für den Sport zu gewinnen, da sie in anderen Branchen tendenziell mehr Geld verdienen können.
Die Zusammenarbeit mit der Uni soll also auch helfen, Fachkräfte für den gesamten Sportsektor auszubilden. „Wenn ich von ‚Wir‘ rede, meine ich nicht nur Eintracht Frankfurt als Profisportklub, sondern den gesamten Leistungs- und Spitzensport, der hier in diesem Teil Frankfurts eine lange Tradition und Heimat hat“, sagte Hellmann. Die Eintracht könne den Praxisbezug bieten, der neben dem inhaltlichen auch einen emotionalen Aspekt habe. Wer nach einem Zweck und Sinn in Leben und Arbeit suche, sei im Sport gut aufgehoben.
