
Der Senat der Goethe-Universität hat sich am Mittwoch mit großer Mehrheit für den Erhalt des Senckenbergischen Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin am Frankfurter Universitätsklinikum ausgesprochen. Der entsprechende Beschlussvorschlag wurde mit elf Jastimmen bei zwei Enthaltungen und zwei Gegenstimmen angenommen.
Eingebracht hatte den Antrag Nikolaus Müller-Schöll, Sprecher der Demokratischen Liste im Senat. „Lassen Sie uns verhindern, dass hier ein Skandal produziert wird, der mit Sicherheit bundesweite, wenn nicht weltweite Aufmerksamkeit erregen wird“, appellierte er an seine Kollegen.
Hintergrund der Debatte sind Überlegungen des Fachbereichs der Medizin, die Forschung zu Ethik und Geschichte der Medizin an den Fachbereich Geschichtswissenschaften der Goethe-Uni zu verlagern oder das Institut ganz zu schließen.
Historisch begründete Verantwortung
Öffentlich für den Erhalt des Instituts hatten sich neben dem Senat der Goethe-Universität auch die Delegiertenversammlung der Landesärztekammer Hessen sowie nun auch die beiden zuständigen Fachgesellschaften, der Fachverband Medizingeschichte und die Akademie für Ethik in der Medizin, ausgesprochen. Ein zentrales Argument sei, dass an sämtlichen medizinischen Fakultäten in Deutschland medizinhistorische Institute existieren, deren Forschungsbereich die Ethik und Geschichte der Medizin abdecke.
In seinem Antrag verwies Müller-Schöll zudem eindringlich auf die besondere Verantwortung der medizinischen Fakultät angesichts ihrer NS-Vergangenheit. Dazu gehörten unter anderem die Entlassung jüdischer Mitarbeiter ab 1933 sowie das 1935 gegründete Institut für Erbbiologie und Rassenhygiene. Die Geschichte der Fakultät begründe die „fortdauernde Auseinandersetzung mit Geschichte und Ethik der Medizin“, so Müller-Schöll.
Der Antrag sieht außerdem vor, die medizinhistorische Bibliothek zu erhalten und die seit Jahren vakante Professur des Forschungsbereichs möglichst bald neu zu besetzen.
