Im sächsischen Heidenau haben sich zahlreiche Menschen einem Mahngang angeschlossen. Die Veranstaltung steht in Zusammenhang mit dem Beschluss gegen neue Stolpersteine in Heidenau im öffentlichen Raum. »Die Entscheidung des Heidenauer Stadtrates, keine Stolpersteine mehr in der Stadt verlegen zu lassen, hat nicht nur bei uns Wut und Enttäuschung ausgelöst«, teilte der Verein AKuBiz mit, der die Aktion initiiert hatte.
Es seien viele Bekundungen der Empörung und Unterstützungsangebote eingegangen. Zudem wolle man mit dem Mahngang an die Personen erinnern, für die Stolpersteine geplant waren. Der in Pirna ansässige Verein ist nach eigenen Angaben in der Demokratie- und Erinnerungsarbeit tätig. Seinen Angaben zufolge hatten sich rund 200 Menschen dem Mahngang angeschlossen. Die Polizei hatte zunächst keine Angaben zur Teilnehmerzahl gemacht.
Der Stadtrat der Kleinstadt hatte Ende September einen entsprechenden Antrag von AfD und CDU mehrheitlich gebilligt, keine Stolpersteine mehr im öffentlichen Straßenraum zu verlegen. Stattdessen solle das Gedenken vorzugsweise auf dem Nordfriedhof der Stadt stattfinden, damit »ein direktes Betreten der Gedenkelemente ausgeschlossen ist«, hieß es in dem Beschluss. Die Entscheidung hatte bundesweit Kritik und Diskussionen ausgelöst.
In Heidenau gibt es nach Angaben von AKuBiz fünf Stolpersteine. Der erste wurde im August 2021 für den ersten Bürgermeister der 1924 neu gegründeten Stadt, Paul Gröger, verlegt. Gröger weigerte sich demnach 1933, die Hakenkreuzfahne zu hissen. Er wurde in das KZ Hohnstein verschleppt und misshandelt. Dort nahm er sich das Leben.
Die Erinnerungsform der Stolpersteine gibt es bereits seit den Neunzigerjahren – und unterdessen in vielen europäischen Ländern. Die in der Regel spendenfinanzierten kleinen Steine werden am letzten bekannten Wohn- oder Wirkungsort von Opfern des Nationalsozialismus verlegt – deren Namen und Lebensdaten stehen auf einer Messingplatte auf der Oberseite der Steine.
