Das Gericht liegt in einem Villenviertel von Nikosia, zwischen Oliven- und Limettenbäumen. Zikaden zirpen, sonst ist alles still, unbewegt. Bis plötzlich zwei Polizisten ins Bild treten, zwischen ihnen eine Frau: Ewa K.
Sie ist eine Immobilienmaklerin aus Deutschland.
Und: Sie ist eine Gefangene auf Zypern.
In Kürze kann man sagen, Ewa K. zahlt die Strafe dafür, dass sie auf der geteilten Insel in den eingefrorenen Konflikt zwischen dem türkischen Norden und dem griechischen Süden geraten ist. Sie hatte, wie viele Deutsche, Geschäfte auf Zypern gemacht: Ihr Job war das Bewerben von Immobilien an der Nordküste, im türkischen Teil. Apartments mit Meerblick und Pool, die allerdings erbaut waren auf Grundstücken, welche einst Griechen gehört hatten, ehe sie 1974 im Krieg mit der Türkei vertrieben worden waren. Geschäfte mit solchen Grundstücken sind nach türkisch-zyprischem Recht erlaubt, nach griechisch-zyprischem aber nicht. Die Sache wird dadurch noch komplizierter, dass Fälle wie der von Ewa K. jahrelang nicht sonderlich scharf verfolgt wurden. Auch noch nicht zu der Zeit, als K. in ihre Geschäfte auf Zypern einstieg.
