Im Idealfall werden Ende dieses Jahres oder zu Beginn des nächsten die Bauarbeiten für ein neues Quartier mit 300 Wohnungen auf dem Areal der früheren Klinik am Bingert in Wiesbaden beginnen. Das teilte die OFB Projektentwicklung GmbH auf Nachfrage der F.A.Z. mit. Die Frankfurter wollen das Projekt „Am Wiesbadener Sonnenberg“ im Kurgebiet der hessischen Landeshauptstadt in einem Joint Venture mit dem Essener Investor Instone realisieren. Damit könnte ein Jahre währender Stillstand an der Wiesbadener Leibnizstraße enden. Eine Brache würde beseitigt, die das in Wiesbaden als Toplage geltende Gebiet seit Jahren entstellt und für Unmut nicht nur bei Anwohnern sorgt. Vollendet sein soll das Großprojekt den OFB-Projektentwicklern zufolge im Jahr 2030.
Die Stadt will nun mit einem Bebauungsplan die rechtlichen Voraussetzungen dafür schaffen, auf der alles in allem 3,5 Hektar großen Fläche eine Wohnbebauung mit geförderten und frei finanzierten Einheiten inklusive Kindertagesstätte zu schaffen. Daneben ist ein Gesundheitszentrum geplant. Die Öffentlichkeit soll an den Planungen beteiligt werden. Deshalb können Interessierte noch bis Donnerstag, 28. Mai, den Entwurf des Bauleitplans online unter www.wiesbaden.de/auslegung einsehen. Die Pläne liegen auch im Stadtplanungsamt, Gustav-Stresemann-Ring 15, aus und sind während der Öffnungszeiten montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr und freitags von 8 bis 12 Uhr einzusehen, wie die Stadt mitteilt.
Bis zum Ende der Auslegung können Bürger ihre Meinung zu den Plänen unter anderem online über das Beteiligungsformular oder per E-Mail an beteiligung@wiesbaden.de äußern. Auch per Post sind Meinungsäußerungen möglich, adressiert an den Magistrat der Landeshauptstadt Wiesbaden, Stadtplanungsamt, Gustav-Stresemann-Ring 15, 65189 Wiesbaden.

Ein neuer Bebauungsplan ist nach Angaben der Stadt notwendig, weil das bestehende Planungsrecht nur die Nutzung für einen Klinikbetrieb vorsieht. Auch im neuen Plan soll mit einer teilweisen „gesundheitsaffinen Nutzung“ dem ursprünglichen Zweck und der Lage des Areals Rechnung getragen werden. Ein städtebaulicher Vertrag zwischen der Stadt und den Projektträgern soll die Realisierung der städtischen Vorgaben sicherstellen.
Der bauliche Stillstand über etliche Jahre – erst mit der leer stehenden Klinik und nach deren Abriss auf der großen Brache – war zunächst dem erfolglosen Versuch der Insolvenzverwaltung geschuldet gewesen, dort wieder eine Klinik zu etablieren. Der damals gültige Bebauungsplan schloss der Stadt zufolge eine andere Nutzung des Areals aus. Es war als „Sondergebiet Kur-Klinik und Sanatorium“ ausgewiesen.
Da sich die Lage auf dem Gesundheitssektor grundlegend und wesentlich zum Negativen verändert hatte, war dieser Versuch zum Scheitern verurteilt. Zeitweise war von Plänen eines Projektentwicklers die Rede, die Klinik für 30 Millionen Euro zu entkernen und zu einer Altenresidenz mit angeschlossenem Pflegeheim umzubauen. Auch daraus wurde nichts.
Gesundheit sollte weiter eine Rolle spielen
Sieben Jahre nach dem Ende der Klinik am Bingert erwarben dann andere Projektentwickler das Areal, um darauf ein reines Wohngebiet zu bauen. Diese Absicht kollidierte allerdings mit der nach wie vor dominierenden Idee vom „Gesundheitsstandort Aukammtal“. Dazu zählen sowohl die Leibnizstraße als auch die Aukammallee, an der ebenfalls mehrere Kliniken liegen. Das Stadtplanungsamt habe zu keiner Zeit die Absicht gehabt, den „hochwertigen und einmaligen Gesundheitsstandort Leibnizstraße / Aukammtal“ als solchen aufzugeben, ließ dazu die Stadt wissen.
Das Projekt „Am Sonnenberg Wiesbaden“, das nun der Investor Instone zusammen mit den OFB-Entwicklern unter dem Dach einer GmbH realisieren will, berücksichtigt die ursprüngliche Festlegung zumindest teilweise. Mit dem geplanten Gesundheitszentrum inklusive Apotheke, Praxen und anderen branchenaffinen Einrichtungen auf der einen und den 300 Wohnungen auf der anderen Seite ist zumindest in der Planung ein Kompromiss gefunden.
Wie die Stadt auf Nachfrage mitteilt, sollen 71 der 300 Einheiten gefördert sein, was der in Wiesbaden herrschenden Knappheit an Wohnungen Rechnung trägt, die auch Bezieher mittlerer Einkommen noch bezahlen können. Diese Wohnungen sollen im südlichen Teil des Areals in Mehrfamilienhäusern entstehen. Daneben sind sogenannte Punkthäuser geplant, jeweils umgeben von Grünflächen und Wegen. Im nördlichen Teil des Areals, angrenzend zu der benachbarten Reha-Klinik, soll das Gesundheitszentrum entstehen.
