Für die meisten Menschen sind Bahnhöfe nur eine Durchgangsstation, sie eilen hindurch. Für Stefan Schwinn sind sie das Leben. Das berufliche jedenfalls. Stefan Schwinn, geboren 1969 im damals noch selbständigen Jugenheim südlich von Darmstadt, ist seit 2019 der Chef der Personenbahnhöfe in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Er ist damit Herr über 920 Bahnhöfe, von kleinsten Haltepunkten in der Pfalz bis zum Frankfurter Hauptbahnhof, einem der wichtigsten im Land.
Es geht um den Betrieb der Anlagen, aber auch um ihren baulichen Zustand. Zurzeit in besonderer Weise um diesen, denn die Deutsche Bahn modernisiert ihre Stationen nach Kräften. 2026 investiert der Konzern allein in Hessen 440 Millionen Euro. Schwinn ist mithin Organisator des Alltags in den Bahnhöfen und Baumeister zugleich.
Ein neuer Bahnhof für Rüdesheim
Man darf wohl sagen, dass er sich umfassend auf diese Aufgabe vorbereitet hat. Nach dem Wirtschaftsstudium in Frankfurt in den Neunzigerjahren war er kurze Zeit als Referent im Hessischen Landtag tätig; von dieser Erfahrung zehrt er bei seinen vielen Kontakten zu örtlichen Politikern noch immer. 1999 wechselte er zur damaligen DB-Tochtergesellschaft Station & Service, bei der er nach und nach aufstieg. Das brachte ihm 16 Jahre Berufstätigkeit in Berlin ein, bevor er 2019 nach Frankfurt zurückkehrte und seine jetzige Aufgabe übernahm. Zunächst noch bei der ihm vertrauten Tochtergesellschaft, seit 2024 bei der DB InfraGO, in der die Zuständigkeiten für die Bahnhöfe und die Strecken zusammengeführt wurden.

Schwinn spricht begeistert von der gegenwärtigen Sanierung der rechten Rheinstrecke, die zu vielen Bahnhofs-Modernisierungen führt und der Stadt Rüdesheim sogar eine ganz neue Station in besserer Lage zum Zentrum beschert. Ein zeitgemäßer Bahnhof, erläutert der Manager, sei barrierefrei, habe gute Sitzmöbel, biete viele Informationen. Die größeren sollten auch Menschen anziehen, die gar nicht reisten, sondern nur einen Kaffee trinken oder einkaufen wollten.
Sein größtes Projekt ist die Sanierung des Frankfurter Hauptbahnhofs, zu der auch die Erneuerung der unterirdischen B-Ebene zählt, die zum Teil schon fertiggestellt ist. Auch der geplante Fernbahntunnel wird längst in die Pläne einbezogen, und es wird auch schon darüber nachgedacht, wo eines Tages Fernzüge nach London abgefertigt werden könnten, für die Grenzkontrollen geschaffen werden müssten, ein Novum für die altehrwürdige Station.
Südhessen ist Schwinn stets treu geblieben. Er lebt noch heute in Seeheim-Jugenheim, wie der Ort nun heißt, ist dort verheiratet und hat zwei Kinder. Und eine Dauerkarte für Darmstadt 98. Zu tun hat er genug, über Bahnhöfe wird immer diskutiert. Auch über die Sicherheit dort; Schwinn ist überzeugt, dass in Frankfurt vieles besser geworden ist. Der oberste Bahnhofsvorsteher ist mit Freude dabei, auch mit jenem unerschütterlichen Optimismus, den man braucht, um in dem verschachtelten DB-Konzern und angesichts einer stets skeptischen Öffentlichkeit zu bestehen. Wer mit ihm spricht, gewinnt rasch den Eindruck: Die Bahnhöfe sind bei Stefan Schwinn in guten Händen.
