
Vom Industriemechaniker zum Patientenbeauftragten der Bundesregierung ist es ein weiter Weg. Stefan Schwartze, geboren 1974 in Bad Oeynhausen und SPD-Mitglied seit 1994, ist ihn gegangen – in vielen einzelnen Schritten. Nach dem Fachabitur und elf Jahren beruflicher Tätigkeit in seinem erlernten Beruf kam er aus der Kommunalpolitik als direkt gewählter Kandidat 2009 in den Bundestag und dort in die Ausschüsse für Familie und Petitionen. In den meisten Anfragen im Petitionsausschuss geht es um das Sozial- und Gesundheitswesen, schon dort setzte sich Schwartze mit Geschick und Entschlossenheit für die Belange der Patienten ein. Rolf Mützenich schlug ihn 2022 als Patientenbeauftragten vor; er wollte dafür eine Person, die keiner Seite im Gesundheitswesen zugeordnet wurde. Die schwarz-rote Koalition hat Schwartze in diesem Amt bestätigt.
Schon unter der Ampelregierung warb er für eine Neuregelung der Organspende, über die an diesem Donnerstag im Bundestag debattiert wird. „Obwohl nach jeder Debatte an vielen Stellschrauben gedreht und viel verbessert wurde, sind die Organspendezahlen nicht gestiegen. Nur ein Systemwechsel hin zur Widerspruchsregelung kann eine echte Wendung bringen“, sagt Schwartze.
„Diese Entscheidung sollte man niemand anderem aufbürden“
Zwei Hauptargumente sprechen in seinen Augen für die Widerspruchsregelung, nach der man künftig seine Ablehnung einer Organspende bekunden müsste: „Wir transplantieren in Deutschland Organe, die in anderen Staaten mit dieser Regelung entnommen wurden. Das für uns selbst aber abzulehnen, kann ich schwer ertragen.“ Zweitens wünsche er sich Klarheit für die Angehörigen, die in einer schmerzlichen und oft schockhaften Situation die Frage nach der Organspendebereitschaft des verstorbenen Angehörigen beantworten sollen. „Ich finde es zumutbar, sich einmal im Leben mit dieser Entscheidung zu befassen, man sollte sie niemand anderem aufbürden.“
Für sich selbst hat er die Zustimmung mit einer Tätowierung dokumentiert, die jeder Arzt oder Ersthelfer erkennt: das „Opt.Ink“, zwei Halbkreise, die zusammen zu einem ganzen Kreis werden und das geschenkte Leben symbolisieren. Dabei versteht Schwartze durchaus, dass niemand sich gern mit der Endlichkeit der eigenen Existenz befasst – obwohl oder gerade weil er in seinem eigenen Leben überaus glücklich wirkt. „Ich bin verheiratet, meine Frau brachte einen wunderbaren Sohn mit in die Ehe.“
Die Familie lebt ländlich, Schwartze ist gern in seinem Garten, geht mit dem Hund aus dem Tierschutz spazieren. „Das kann ich jedem nur empfehlen.“ Und dann ist da noch eine große Leidenschaft für den Fußball, Schwartze ist Vorsitzender des Arminia-Bielefed-Fanclubs im Bundestag. „Da ist man allerdings auch das Leiden gewohnt.“
