Diesen Fragebogen hat Marcel Proust nie ausgefüllt. Denn er ist eine auf den Fußball zugespitze Variante eines zu Zeiten des französischen Schriftstellers beliebten Gesellschaftsspiels. Wir spielen es weiter mit Menschen aus dem Fußball, die bereit sind, die Herausforderung an Geist und Charme anzunehmen: diesmal mit Stefan Bell von Mainz 05.
Was ist für Sie das größte Glück als Fußballer?
Dass ich mit Profisport mein Geld verdienen kann und in den Genuss von besten Trainingsbedingungen und einer sehr guten Organisation komme.
Und was ist für Sie das größte Unglück als Fußballer?
Schwere Verletzungen, die aber auch zum Job gehören. Gerade wenn es länger dauert und einem sinngemäß die „Aufgabe“ verloren geht und man nichts zum Team-Erfolg beitragen kann.
Woran erkennen Sie einen guten Spieler eine gute Spielerin?
An einer gewissen fußballerischen Intuition, die nicht erlernbar ist.
Wer ist der beste Spieler, gegen den Sie gespielt haben?
Aktuell ist es auf jeden Fall Harry Kane: Er bietet das beste Gesamtpaket, macht aus jeder Halb-Chance ein Tor und arbeitet defensiv mit – diese Kombi gibt es selten.
Welcher Spieler ist besser, als die Allgemeinheit glaubt?
Phillipp Mwene (Außenverteidiger des FSV Mainz 05/d. Red.).
Wer ist der wichtigste Trainer in Ihrer Karriere?
Ich hatte viele gute Trainer mit sehr unterschiedlichen Ansätzen. Da die ersten Profijahre mich am meisten geprägt haben, würde ich den Trainer aus dieser Zeit nennen: Thomas Tuchel.
Über was möchten Sie in der Kabine nicht sprechen?
Wenn die Kollegen mit ihren Autos anfangen, bin ich raus. Ich fahre lieber Roller (lacht/d.Red.).
Spieler von Top-Vereinen, die jedes Jahr drei Wettbewerbe spielen, dazu noch Länderspiele absolvieren und jedes zweite Jahr ein internationales Turnier. Das ist schon ein heftiges Pensum.
Profisportler in anderen Sportarten, die bei schlechten Bedingungen, mit wenig Geld und viel Leidenschaft oft noch neben ihrem eigentlichen Job Top-Leistungen erbringen.
Was fürchten Sie in einem Spiel?
Ich fürchte mich grundsätzlich nicht auf dem Platz. Das wäre der falsche Ansatz, um erfolgreich sein zu können.
Ein Gedanke, der Sie während eines Spiels überrascht hat?
Es gibt vielleicht Momente, in denen man mal kurz abschweifen kann, wenn eine längere Unterbrechung stattfindet. Aber von wirklich überraschenden Gedanken kann ich nicht sprechen.
Welche Fußballregeln würden Sie ändern?
Die Regel, dass eine Torerzielung zwingend zurückgenommen wird, wenn in der Entstehung der Ball eine Hand trifft. Im Mittelfeld reicht es auch nicht aus, wenn eine Fingerkuppe den Ball streift, um das abgepfiffen zu bekommen. „Handspiele“, die außerhalb des Sechzehners nicht strafbar sind, sollten auch nicht zur automatischen Rücknahme eines Tores führen.
Wer führt Ihre Gehaltsverhandlungen?
Was ist der Sinn des Spiels?
Sport und Spiel als verbindendes Element. Auf dem Fußballplatz herrscht Gleichheit. Es spielt keine Rolle, wer du bist und woher du kommst.
Jae-Sung Lee (Mittelfeldspieler des FSV Mainz 05/d.Red.)
Den gibt es so nicht. Viele verschiedene Trainer gehen unterschiedliche Wege und haben auf unterschiedliche Art und Weise Erfolg.
Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
The Secret of Secrets von Dan Brown.
Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mitspieler am meisten?
Taktische Verlässlichkeit auf dem Spielfeld.
Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem/er Freund(in) am meisten?
Das Laufduell mit Timmy Thiele (Energie Cottbus/d.Red.)
Ihre Helden der Gegenwart?
Spitzenradsportler. Vor allem Klassiker- und Großrundfahrtfahrer.
Ihre Heldinnen der Geschichte?
Um im Sportkontext zu bleiben: Frauen und Mädchen, die sich gegen enorme gesellschaftliche Widerstände den Fußballsport erobert haben.
Was ist der größte Irrtum über das Leben als Fußballprofi?
Dass alle immer glücklich und gut drauf sind, weil sie gutes Geld verdienen.
Beide haben Großes geleistet, obwohl sie sehr unterschiedliche Spieler sind. Schwer vergleichbar.
Klopp, sein Fußball passt besser zu mir.
Was lieben Sie am meisten am modernen Fußball?
Top-Stadien, gute Plätze und die gute Infrastruktur.
Was verabscheuen Sie am meisten am modernen Fußball?
Die hohe Anzahl an Spielen, immer neue zusätzliche Spiele und Wettbewerbe.
Ihre Lieblingsbeschäftigung an einem spiel- und trainingsfreien Tag?
Zeit mit der Familie verbringen und Schlägersportarten.
