International ist der Auktionsmarkt im Aufschwung – auch in der Schweiz. Das zurückliegende erste Halbjahr sei sogar eines der besten der Firmengeschichte gewesen, vermeldet das Traditionshaus Koller in Zürich. Es verbuchte neun Zuschläge über einer Million Franken sowie eine Verkaufsquote von 90 Prozent.
Auch Artcurial Beurret Bailly Widmer in Basel blickt auf ein erfolgreiches Semester zurück. In der Frühjahrsauktion mit Schweizer Kunst blieben zwar zwei der Spitzenlose – Winterlandschaften von Cuno Amiet – unverkauft. Doch das dritte Toplos, ein Mädchenbildnis von Albert Anker, erreichte die untere Taxe von 500.000 Franken. Auch Félix Vallottons Ansicht der Alyscamps in der Morgensonne traf mit einem Zuschlag bei 250.000 Franken die untere Schätzung.

Für ein Bietergefecht sorgte das Bild einer rasanten Kutschfahrt, das Rudolf Koller 1874 malte, ein Jahr, nachdem er sein berühmtestes Gemälde „Gotthardpost“ im Auftrag der Schweizerischen Nordostbahn schuf. Beide Bilder eint die gewagte Perspektive, scheinen doch die Kutschen direkt auf den Betrachter zuzufahren. Während bei der „Gotthardpost“ der Kontrast zwischen den galoppierenden Postpferden und den weidenden Kühen am Bildrand dominiert, beschränkt sich Koller bei seiner „Fröhlichen Heimkehr“ auf den schnellen Pferdewagen. Geschätzt auf 30.000 bis 40.000 Franken, wurde das Werk mit 130.000 Franken honoriert. Von 116 angebotenen Losen fanden 67 Abnehmer und spielten zusammen 2,37 Millionen Franken ein.
Erfolgsgaranten Hodler, Anker, Giacometti
Koller auktionierte sein Angebot Schweizer Kunst im Juni mit überragendem Erfolg. 96 der 107 Lose wurden vermittelt, drei mit Millionenzuschlägen. Ferdinand Hodlers „Sonnenuntergang am Genfersee von Caux aus“ (Taxe drei bis 4,5 Millionen Franken) trieben die Bieter auf sechs Millionen. Damit ist es nun das viertteuerste je versteigerte Bild des Künstlers. Hodlers Ansicht des „Jungfraumassivs von Mürren aus“ blieb mit Zuschlag bei 1,5 Millionen Franken innerhalb der Voraberwartung. Ankers Doppelbildnis spielender Geschwister erreichte dasselbe Ergebnis (Taxe bis 2,5 Millionen). Giovanni Giacomettis intimes Porträt seiner zwei berühmten Söhne Alberto und Diego aus dem Jahr 1919 triumphierte bei 360.000 Franken (70.000/120.000).

Moderne und zeitgenössische Kunst kamen in beiden Häusern im Juni zum Aufruf. Kollers Spitzenlos, Paul Signacs „La Salute (Venise)“ wechselte über Taxwert bei 3,55 Millionen Franken den Besitzer. Pierre-Auguste Renoirs hübsches Mädchenantlitz sicherte sich ein Bieter bei 950.000 Franken (bis 1,4 Millionen), während Claude Monets Pastellzeichnung der Waterloo Bridge von 1900/01 überraschend auf 860.000 Franken gehoben wurde – mehr als das Doppelte der unteren Schätzung. Robert Rauschenbergs Großformat „Crosstown“ reüssierte mit 360.000 Franken weit über seiner Schätzung.
Überraschungen mit Auktionssaal
Bei Artcurial Beurret Bailly Widmer sprang Hans Arps Skulptur „Torso-Amphore“ von erwarteten 250.000 auf 550.000 Franken und sicherte sich den Spitzenplatz der Auktion. Die 78 Zentimeter hohe Bronze von 1962 ging in eine Schweizer Sammlung. Für eine Überraschung sorgte zudem ein Gemälde des Briten Walter Sickert, der zur postimpressionistischen Künstlervereinigung Camden Town Group gehörte: Der Hammer für das marktfrische Gemälde „Nu assis au sofa vert“ aus Schweizer Privatbesitz fiel bei 280.000 Franken, mehr als dem Neunfachen der Untertaxe. Marie Laurencins Ölgemälde „Mädchen mit Katze“ wurde von 60.000 auf 250.000 Franken getrieben und kommt in das Kunstmuseum Basel.
Alter Meister versteigerten beide Häuser im März. In Basel stieß das „Porträt eines Prälaten“ von Corneille de Lyon auf großes Interesse. Das nur 16 mal 13 Zentimeter kleine Werk war auf 80.000 bis 120.000 Franken geschätzt; der Zuschlag erging erst bei 430.000 Franken zugunsten einer europäischen Sammlung.
Überragendes Werk bei Koller in Zürich war Pieter Brueghels des Jüngeren „Allegorie des Herbstes“, die für 1,5 Millionen Franken einen Abnehmer fand, weit mehr als die veranschlagten 300.000 bis 500.000 Euro. Unter den Werken des 19. Jahrhunderts überzeugte bei Koller eine dramatische Schiffsbruchszene von Ivan Konstantinovich Aivazovsky. Einem Bieter aus der Türkei war das Gemälde aus dem Jahr 1872 580.000 Franken netto wert. (180.000/250.000).
