
Auf den ersten Blick scheint es, als würde man vor dem Rauschgift kapitulieren. Die Stadt Darmstadt richtet in ihrem schönsten Park, dem historischen Herrngarten in der Innenstadt, für die Süchtigen eine Zone ein, damit diese sich dort aufhalten können. Damit wird der Konsum illegaler Drogen akzeptiert, und zwar mitten in der Stadt. Doch bei näherem Hinsehen erscheint der Weg, für den die Darmstädter Stadtpolitik sich entschieden hat, als humane und pragmatische Lösung.
Die Suchtkranken bekommen einen Platz, von dem sie nicht vertrieben werden, einen kleinen Teil der Grünfläche an deren Rand, der einen Sichtschutz erhält. Dieser Platz ist dort angesiedelt, weil sich das „Scentral“, die Hilfseinrichtung der Stadt, nebenan befindet. Dort erhalten die Suchtkranken nicht nur Hygieneartikel, sondern auch Unterstützung auf dem Weg aus der Sucht. Schließlich handelt es sich um Menschen, die Hilfe brauchen.
Umgekehrt dürfen die Abhängigen sich nicht im Rest der weitläufigen Grünanlage ausbreiten und dort konsumieren. So steht der allergrößte Teil des Herrngartens den Erholungssuchenden zur Verfügung. An Sommertagen wird der Park rege genutzt. Anwohner und Besucher der Innenstadt gehen dort spazieren, während die Studenten der benachbarten Technischen Universität auf der Wiese sitzen.
Auch wenn Anwohner sich immer wieder über die Drogenszene mit ihren Begleiterscheinungen – sichtbares Elend und Beschaffungskriminalität – beklagen: Eine andere Lösung bleibt der Stadt eigentlich nicht. Denn die Drogenszene lässt sich nicht beseitigen, sondern allenfalls verdrängen. Dann wechselt das Elend nur den Ort, und Süchtige sitzen konsumierend in Hauseingängen. Da ist der Konsum im Park immerhin das kleinere Übel.
Die Entscheidung über die Drogenpolitik haben die Fraktionen mit großer Einigkeit getroffen; nur die AfD wollte sich der Lösung nicht anschließen. Das zeigt, dass die Kommunalpolitik auch unter den Bedingungen, wie sie in Darmstadt herrschen, vorankommen kann. Eine herkömmliche Koalition mit fester Mehrheit gibt es nicht. Dennoch sind sachliche Entscheidungen möglich, wie sich nun zeigt. Wenn die Fraktionen sich beim Austausch der Argumente einig werden, gibt es keine Blockadehaltung.
