Was ist Ihre Vision für die Zukunft? Das wollte das Bundesfinanzministerium am Wochenende von den Bürgern wissen. Die Bundesregierung hatte zum Tag der offenen Tür geladen, und Kanzleramt und Ministerien machten Programm. Das Finanzministerium war am Samstag bei drückender Hitze klar im Vorteil durch seinen riesigen Garten. Erdbeerkuchen, Limo, Bühnenprogramm unter Bäumen – und die Frage nach den Visionen.
Die Besucher sollten die Antwort auf Zettelchen schreiben und an eine Litfaßsäule hängen. Zu lesen war etwa: „den Kommunen genug Geld geben für ihre Aufgaben“, „mehr öffentliche Verkehrsmittel im ländlichen Raum“ und zum Thema private Investitionen: „0 % Kapitalertragssteuer, höherer Freibetrag – Danke! :)“. Ein Gast zeichnete bloß eine Sonne und schrieb dazu: „Iced Coffee!“
Die Mischung passte zum Programm, das neben inhaltlichen Schwerpunkten auch unterhaltsame setzte, vom Bemalen von Spardosen bis zum Versand von Postkarten mit einem Sonderstempel zum Tag der offenen Tür. Denn was wenige wissen: Die Zuständigkeit für Briefmarken liegt beim Finanzministerium.
Unfreiwillig erweiterten die Veranstalter das Programm um einen Punkt, der im politischen Alltag allgegenwärtig ist: Planänderung wegen unvorhergesehener Ereignisse. In diesem Fall war es eine Unwetterwarnung. Die Gäste mussten den Garten verlassen, zu ihrer Sicherheit. Das Unwetter zog zwar schließlich vorbei, aber das weiß man eben immer erst hinterher.

In anderen Ministerien spielte sich das Geschehen ohnehin weitgehend drinnen ab. Auch einige Minister selbst waren im Einsatz, etwa Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) im Gespräch mit Astronauten und Bauministerin Verena Hubertz (SPD), die sich von der Dachdeckerin und Influencerin Chiara Monteton zum Bauen und Wohnen befragen ließ. Mehrere Häuser boten Führungen an, zeigten die Büros der Minister oder besondere Sitzungssäle und informierten über die Geschichte der Gebäude.
Parallel zum Tag der offenen Tür begingen am Wochenende ehemalige Soldaten der Bundeswehr den zweiten Veteranentag. Rund um das Reichstagsgebäude luden unter dem Motto „Veterans, Family & Friends“ ehemalige Angehörige der Streitkräfte zu Gesprächen und Vorstellungen ein. Der offizielle Gedenktag ist nach einem Beschluss des Bundestages am 15. Juni; erinnert, geredet und gefeiert wird jeweils am Wochenende davor oder danach, wenn der 15. auf einen Werktag fällt. Neben dem sogenannten Bürgerfest am Reichstagsgebäude fanden im ganzen Land Veranstaltungen statt.

Der Veteranentag fand in diesem zweiten Jahr seines Bestehens allerdings sehr unterschiedliche Resonanz. So gab es in Nordrhein-Westfalen mehrere Veranstaltungen, auch in Bayern wurden die Ehemaligen laut Programm mit Ehrensalut und einem „Kreiskriegertreffen“ gefeiert. In Sachsen-Anhalt hingegen war nur eine Kranzniederlegung auf dem Magdeburger Westfriedhof angekündigt, in Sachsen, Standort der Offiziersschule des Heeres und der Panzergrenadierbrigade „Freistaat Sachsen“ mit Tausenden aktiven und ehemaligen Soldaten, sollte keine einzige Veranstaltung stattfinden. Ebenso wenig in Mecklenburg-Vorpommern, wo Heer, Marine und Luftwaffe zwar etliche Standorte haben, aber das Programm keine einzige Feierlichkeit oder Begegnung von Ehemaligen und Bürgern auswies.

In Berlin spielten am Sonntag die Big Band der Bundeswehr und andere Musikgruppen vor dem Reichstagsgebäude. Für den Nachmittag hatten sich die Schirmfrau der Veranstaltung, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU), und Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) angekündigt. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz plante einen Rundgang.
