
Drei bewaffnete Bankräuber haben mit einem spektakulären Überfall am Donnerstagmittag das bürgerliche Stadtviertel Arenella in Neapel in Atem gehalten. Die maskierten Täter betraten gegen 12.30 Uhr die Filiale der Crédit Agricole an der Piazza Medaglie d’Oro. Wenige Minuten später umstellten die von einem Passanten alarmierten Carabinieri das Gebäude.
Die Täter zwangen mindestens zwei Dutzend Kunden und Angestellte, die sich zum Zeitpunkt des Überfalls in der Filiale aufgehalten hatten, in ein Nebenzimmer des Schalterraums. Gegen 13.30 Uhr gelang es den Einsatzkräften, die Geiseln zu befreien, nachdem Feuerwehrleute die von innen verriegelte Eingangstür aus bruchsicherem Glas mit einem Rammbock geöffnet hatten. Sechs der befreiten Geiseln wurden an Ort und Stelle medizinisch versorgt, mussten aber nicht stationär behandelt werden.
Lange unklar, ob die Täter noch im Gebäude waren
Der Präfekt von Neapel, Michele Di Bari, lobte die Einsatzkräfte dafür, dass dank des „schnellen Eingreifens die Geiseln ohne schwere Verletzungen“ hätten befreit werden können. Zeugen berichteten später, die Bankräuber hätten zwar ihre Waffen auf die Geiseln gerichtet, aber keine körperliche Gewalt angewendet. Die Männer hätten Italienisch gesprochen.
Längere Zeit war nach der Befreiung der Geiseln unklar, ob sich die Täter noch in dem Gebäude aufhielten. Gegen 17 Uhr stürmte eine Spezialeinheit der Carabinieri schließlich die Bankfiliale, traf die Täter dort aber nicht mehr an.
Wie die Ermittler später mitteilten, hatten die Räuber Dutzende Schließfächer im Safe der Bank aufgebrochen und entkamen anschließend durch ein Loch im Kellerboden der Bank. Der Zugang beziehungsweise Fluchtweg sowie ein Tunnel vom Kanalsystem Neapels zu der Bank seien offenbar vor dem Überfall gegraben worden. Die Vorgehensweise der Täter deute auf eine sorgfältige Planung des Überfalls hin, hieß es.
Wertgegenstände, aber kein Bargeld erbeutet
Im Zuge der Ermittlungen wurde am Donnerstagabend ein Fahrzeug sichergestellt, das möglicherweise von den Tätern genutzt worden war. Die Fahndung nach den flüchtigen Bankräubern läuft.
Über die Höhe der Beute machten die Behörden und die Bank zunächst keine Angaben. Die Täter hätten Wertgegenstände aus den Schließfächern, aber kein Bargeld erbeutet.
Schon 2020 war eine Filiale der Crédit Agricole in Mailand Ziel eines ähnlichen Raubüberfalls gewesen. Damals betraten zwei bewaffnete Räuber das Gebäude durch den Haupteingang und nahmen Angestellte als Geiseln, während zwei Komplizen durch einen Wartungsschacht, den sie über die Kanalisation erreicht hatten, ins Gebäude gelangten. Auch die Bankräuber von Mailand brachen zahlreiche Schließfächer auf und entkamen mit der Beute durch die Abwasserkanäle.
