Wir haben Gäste und rufen die Kinder zum Abendessen. Das jüngste Gastkind saust in die Küche und ruft begeistert: “Geil! Fischstäbchen.” Mein sechsjähriger Sohn erkennt seine Chance und profiliert sich mit der Feststellung: “Geil heißt sexbereit.” – Die Erwachsenen sehen sich irritiert an. Die Teenager prusten los. Am Tisch ist gerade ein heißes Thema serviert worden.
Kitakinder, die sexuelles Wissen haben, wirken so befremdlich wie sexbereite Fischstäbchen. Es erzeugt Unbehagen, weil Erwachsene ein diffuses Bild von unschuldiger Kindheit im Kopf haben und Gespräche über Sexuelles als Grenzüberschreitung empfinden. Das führt dazu, dass Eltern solche Gespräche lange aufschieben, weil sie ihre Kinder schützen wollen. Kinder sind jedoch schon weit vor der ersten Menstruation oder dem ersten Samenerguss auf sexuelles Wissen angewiesen. Wie früh Kinder sensibel für Nähe sind, wurde mir klar, als mein Sohn mit drei Jahren wissen wollte, warum ich seinen Vater anders küsse als ihn. Kinder haben sogar ein Recht auf sexuelle Bildung: Bildungseinrichtungen und Eltern müssen sie altersgerecht über Sexualität, den eigenen Körper und Beziehungen informieren.
