Dieser Artikel ist Teil von ZEIT am Wochenende, Ausgabe 19/2026.
Nüchtern betrachtet war es ein Muttertagsausflug: Schließlich war Muttertag, und meine Mutter, ihre Mutter und ich fuhren nach Kroatien. Gleichzeitig würde es eine letzte Reise sein – zu dritt, zu zweit, in jeder Kombination –, und zumindest in einer Hinsicht ließ sich das nicht ausblenden: Meine Großmutter fuhr in einem Kofferraum über den Brenner, in einer Urne neben sechs anderen.
Helga Beier, geboren 1937, war immer die Antithese des Großmütterchens gewesen, der leisen, sich aufopfernden Greisin, die ihren Enkeln unter dem Tisch Geldscheine zusteckt. Ihre gesamte Rente gab sie für Reisen und Schmuck aus. Einmal schenkte sie mir zum Geburtstag eine Packung Bounty. »Für dich, mein Mäussche«, sagte sie mit hessischem Akzent und tätschelte meinen Kopf. Groß wurde sie in Frankfurt, alt in Tirol. Liegen, wie sie sagte, wollte sie aber weder da noch dort.
