
Ein König kann seine Rolle nicht wie einen Mantel an der Garderobe abgeben, König ist man 24 Stunden am Tag. Wie hält man das durch? „Es ist schwer“, sagte Schwedens Monarch Carl XVI. Gustaf kürzlich dem „Svenska Dagbladet“ in einem seiner seltenen Interviews. Anlass waren all die anstehenden Feierlichkeiten. An diesem Donnerstag wird der König 80 Jahre alt, im Juni feiern seine Frau, Königin Silvia, und er ihre goldene Hochzeit.
Ausgerechnet Carl Gustaf, den doch am Anfang kaum einer mochte und mit dem sein Land immer noch fremdelt, ist mittlerweile der mit Abstand am längsten regierende Monarch in der sehr langen Geschichte der schwedischen Monarchie. Regelmäßig wird er gefragt, ob er denn nicht bald die Macht an seine Tochter Victoria abgeben wolle. Die umtriebige Kronprinzessin ist im Land weitaus beliebter als er, eine Mehrheit wünscht sie sich als Königin. Ein Vorbild für solch einen Schritt gibt es gleich nebenan. Die Cousine Carl Gustafs, Königin Margrethe von Dänemark, dankte 2024 ab, übergab an ihren Sohn Frederik X. Doch Carl XVI. Gustaf verneint die Frage regelmäßig. Auch nun tat er das wieder. Solange er es schaffe, werde er die Rolle als König weiter ausüben, antwortete er.
Ein schwieriger Beginn
Im Alter von nur 27 Jahren wurde Carl Gustaf König. Es war ein schwieriger Beginn. Anfang der Siebzigerjahre war die Monarchie in Schweden an einem Tiefpunkt. Viele wollten sie abschaffen, und der König wurde des letzten formellen Einflusses beraubt, seitdem darf er nicht einmal mehr Minister ernennen. Ministerpräsident Olof Palme sagte damals zur Erklärung, warum auch die Sozialdemokraten an der Monarchie festhielten, es sei doch ohnehin kaum noch etwas vorhanden. Der Rest könne mit einem „Federstrich“ abgeschafft werden.
Hinzu kam: Carl Gustaf Folke Hubertus, wie er mit vollem Namen heißt, galt als Playboy, als Partyprinz und Fan schneller Autos. Als er damals auf die Treppe vor das Krankenhaus trat, in dem sein Großvater verstorben war, um vor die Presse zu treten, da zuckte er zusammen, als jemand „Lang lebe der König“ rief. Ihm hätten die notwendigen Erfahrungen gefehlt, sagt er heute. Er hätte gerne mehr Zeit gehabt, um sich zu entwickeln und etwas Stabilität zu gewinnen.
Inzwischen ist die Monarchie in Schweden wesentlich gefestigter. Rund zwei Drittel geben in Umfragen an, dass sie die Monarchie behalten wollen. Noch mehr sehen das Königshaus als guten Vertreter ihres Landes. Das liegt auch daran, dass es in jüngster Zeit anders als im benachbarten Norwegen, wo die Zustimmung zur Monarchie drastisch eingebrochen ist, keine Skandale gab. Doch auch Carl Gustafs Zustimmungswerte selbst sind stabil auf recht hohem Niveau.
Bei den Olympischen Sommerspielen lernte er seine spätere Ehefrau kennen
Aus Sicht von Beobachtern gelang ihm die Wende, als er 1976 die Deutsche Silvia Sommerlath heiratete. Seine spätere Ehefrau hatte er noch als Kronprinz 1972 bei den Olympischen Sommerspielen in München kennengelernt. Silvia arbeitete als Dolmetscherin und Hostess, der Kronprinz soll sie zunächst mit einem Fernglas beobachtet haben. Ihre Liebesgeschichte ist legendär. Derzeit wird darüber eine Serie gedreht.
In diesem März tanzte das Königspaar recht ausgelassen bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung zu Abbas „Dancing Queen“ und küsste sich. Dazu befragt, gab sich der König nun im Interview sehr zurückhaltend, den Kuss stritt er ab, ebenso, dass sie wild getanzt hätten. „Wir drehten uns einfach ein bisschen elegant im Kreis, und dann kam es zu einem Handkuss.“ Auf die Frage nach ihrer Liebe sagte der König, man müsse demütig und nachgiebig sein. Sich gegenseitig helfen und unterstützen. „Nicht so hart sein und jedes Mal mit dem Kopf gegen die Wand rennen, wenn man diskutiert und meint, der andere habe unrecht.“
Aber nicht nur Königin Silvia hat das Blatt für die Monarchie gewendet. Der Erfolg hat auch mit dem König selbst zu tun. Trotz kleinerer Fehltritte gelang es ihm, nach und nach von den Schweden akzeptiert und respektiert zu werden – auch wenn er ihre Herzen wohl nie gewinnen wird. Es gelang auch, weil er sich öffnete. So machte er nach der Tsunami-Katastrophe, bei der auch viele Schweden ums Leben kamen, seinen eigenen Schmerz über den frühen Verlust seines Vaters öffentlich. Der war bei einem Unglück ums Leben gekommen, da war der Kronprinz noch kein Jahr alt gewesen. Viele Kinder hätten nun ihre Eltern verloren, sagte der König. „Ich glaube, ich weiß, was das bedeutet. Ich war selbst so ein Kind.“
Als äußerst anpassungsfähig erwiesen
In Schweden suchen sich die Könige jeweils ihren Leitspruch. Carl XVI. Gustafs Vorgänger betonten meist die Pflicht und den Glauben, er aber überschrieb seine Regentschaft mit dem Motto: „Für Schweden – mit der Zeit“. Er stellte also den Wandel nach vorne. Und er hat sich selbst als äußerst anpassungsfähig erwiesen. Schwedens rapide wirtschaftliche Liberalisierung befürwortete er immer wieder. Seine Kinder erzog er modern. Sie sollten so normal wie möglich aufwachsen – und haben alle bürgerlich geheiratet.
Zuletzt stellte der König den Umwelt- und Klimaschutz in den Vordergrund, aber auch die Unterstützung der Ukraine. Als erster Monarch überhaupt seit Beginn des Angriffskriegs reiste er kürzlich nach Lemberg, traf den ukrainischen Präsidenten und zeigte sich „tief beeindruckt“ von dessen Mut. Damit liegt er auf einer Linie mit Schwedens starker Unterstützung des angegriffenen Landes.
Zum Geburtstag des Monarchen an diesem Donnerstag werden nach Angaben des Palastes ranghohe Gäste erwartet. Geplant ist ein Dankgottesdienst in der Kapelle des königlichen Palastes, ein Überflug von Kampfflugzeugen sowie ein Galadinner. Auf welches Fest er sich mehr freue, wurde der König nun gefragt, seinen Geburtstag oder die goldene Hochzeit. In gewohnter Zurückhaltung antwortete er: Solch ein Geburtstag sei ja eher ein offizieller Anlass. Die goldene Hochzeit aber sei privat, da hoffe er, dass die ganze Familie, aber auch Freunde dabei seien und mit ihm feierten.
