
Der künftige „Tagesthemen“-Moderator Jörg Schönenborn will die Nachrichtensendung vor allem durch eine ausgewogene Themensetzung prägen. „Ich möchte für Journalismus stehen, der richtig ist, der vollständig ist, der Neugier zeigt, der Perspektiven einnimmt, die wir noch nicht kennen“, sagte Schönenborn im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Aus seiner Sicht gibt es in Deutschland ein ungewöhnlich großes Interesse an ausländischen Themen. „Unser Publikum interessiert sich mehr für die Welt und für Außenpolitik als in vielen anderen Ländern.“ Gleichzeitig sollen solche fernen Perspektiven in den „Tagesthemen“ auch mit nahen Themen aus dem direkten Umfeld der Zuschauerinnen und Zuschauer ergänzt werden. Dabei gehe es auch darum, Hoffnung zu machen, so der 61-Jährige. „Ja, es gibt Nachrichten, die verzweifeln lassen. Aber die Welt ist auch voller Geschichten, die Mut machen.“
„Unser Publikum interessiert sich mehr für die Welt“
Eindringlich warnt Schönenborn davor, sich wegen einer immer unübersichtlicher scheinenden Weltlage vom Nachrichtengeschehen abzuwenden. „Denn der Kern von Demokratie ist, dass wir gut informiert Wahlentscheidungen treffen können. Dazu sind verlässliche Nachrichten ein wichtiger Rohstoff.“ Die Nachrichtensendungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wie auch der privaten Sender in Deutschland lieferten „exzellente Information“, ist der Moderator überzeugt. Im internationalen Vergleich gebe es in Deutschland noch ein großes Vertrauen in die Medien. „Das ist ein ungeheures Kapital“, betonte Schönenborn. „Aber es gibt daneben eine große Gruppe, die uns sehr kritisch sieht, die uns noch nutzt, aber nicht für vertrauenswürdig hält. Und um die wir uns mit gutem Handwerk bemühen müssen.“ Schönenborn, bisheriger WDR-Programmchef, wird am 6. Juli erstmals die „Tagesthemen“ in der ARD moderieren. Er verstärkt damit das bestehende Moderationsteam um Jessy Wellmer und Ingo Zamperoni.
Er empfinde seine neue Rolle im Studio als Privileg, so Schönenborn weiter. „Furcht ist keine Haltung, zu der ich neige, aber ich habe Respekt. Denn ich weiß, dass es auch eine Herausforderung ist, meinen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden.“ Unsicher ist er noch, wie er sich künftig nach der Sendung vom Publikum verabschieden will. Eine besondere Verabschiedung, wie sie in manchen Nachrichtensendungen praktiziert wird, erscheint ihm inzwischen fast überzogen. „Wenn das Schlusswort so viel Gewicht bekommt, bleibe ich vielleicht doch einfach bei einem freundlichen ‚Tschüss!‘.“
