
Die Erleuchtung hat uns Feiertagkatholiken ergriffen, der innere Kirchengänger meldet sich. Papst Leo XIV. schreibt sich mit seiner Lehrschrift Magnifica Humanitas zurück in abtrünnige Herzen. Oder zumindest in die der sozial eingestellten KI-Skeptiker. Der Mensch dürfe nicht den Turmbau zu Babel 2.0 betreiben. Diese Baumeister weist Gott bekanntlich in die Schranken und sorgt für Sprachenkauderwelsch. Keiner versteht mehr den anderen, das Vorhaben wird abgebrochen. Das klingt nach einer ganz normalen Freitagskonferenz, finden wir. Die Geschichte wiederholt sich immer wieder, und sei es nur die Bibel.
Hin und wieder soll der Mensch doch bitte noch selbst denken. Das ist unser Fazit, zum Lesen war nicht die Zeit, das Freibad lockte, und in der Sonne lässt es sich sowieso besser über das Leben sinnieren. Der Bischof von Rom erfährt derweil im Sommerwetter eine andere Art von Erleuchtung: Ferrari-Vorstandschef Benedetto Vigna präsentiert Leo den Luce, italienisch für Licht. Von einem religiösen Führer zum anderen, im Herzen eines Italieners tanzt das Pferd. Online sorgt der Elektrosportwagen für Missmut, auch der Ex-Konzernchef beschwert sich öffentlich. Der Papst wirkt angetan. Das neue Papamobil ist schon bestellt.
Wir können nichts Schönes am fahrenden Licht finden und wenden uns lieber einem kleinen Italiener in einem rasend schnellen Mercedes zu. Formel-1-Fahrer Andrea Kimi Antonelli klebte in Montreal an seinem Teamkollegen wie eine Mücke, die das Stechen nicht lassen kann, und fuhr souverän zum vierten Sieg. Er reckte den Zeigefinger zum Himmel, dem rennverliebten Gott war es eine Freude. Als Nächstes steht Monaco an. Der Italiener könnte seinem Vorbild Ayrton Senna, der dort mit sechs Siegen den Rekord hält, alle Ehre machen. Der tiefreligiöse Brasilianer fuhr bekanntlich, als hätte er eine Standleitung zum Herrn persönlich. Die brauchen wir auch, sollte es der 19-Jährige Kimi wieder so spannend machen.
Zumindest, was die Meenzer Fastnacht angeht, kann der Heilige Vater sich beruhigt zurücklehnen. Eine Studie hat herausgefunden, dass die Mundart den künstlich intelligenten Horizont übersteigt. Erleichterung unter „Mainz bleibt Mainz“-Fans: Der Büttenredner denkt noch selbst. Auch wir verstehen kein Meenzerisch. Aber reimen können wir wie ein Narr: Ein Fauxpas erster Güte, dem Fastnachter schlägt er aufs Gemüte, was treibt KI nur für eine Blüte? Dieses Meisterwerk haben wir uns ausgedacht, mit ehrlicher Intelligenzarbeit. Versprochen.
