Der Mitmachtag findet an einem ungewöhnlichen Ort statt: im Auditorium des Deutschen Architekturmuseums. Dieses widmet sich gerade in den benachbarten Räumen dem Thema „Die Stadt ist der Sport“. Dort geht es darum, wie sich Städte vor allem in den Niederlanden oder Skandinavien auch durch Sportanlagen neu erfinden und die Lebensqualität erhöhen. Rugbyfelder im Stadtzentrum sind da zwar nirgends als urbane Zukunftsvision aufgeführt, der Sport versteht sich aber als Bestandteil gerade städtischer Bürgergesellschaften. In Frankfurt gilt das ganz besonders.
Die Ausstellung zeigt zwölf Projekte in zwölf Städten
Oliver Redenius kann dazu mehr ausführen, er gehört dem Historiker-Komitee des SC 1880 an, der neben Rugby auch Abteilungen für Tennis, Hockey und Lacrosse beheimatet und das Vereinsjubiläum im Jahr 2030 vorbereitet. „Historiker-Komitee klingt so hochtrabend, wir sind einfach vier Väter von Vereinskindern, die zufällig auch Historiker sind“, sagt Redenius und zeigt auf von der Decke hängende Boxsäcke, eine Tischtennisplatte, eine Minigolfanlage im Ausstellungsraum oder auch große Aufsteller mit Fotos und Texten, die zwölf Beispiele für Integration von Sport in den Stadtraum darstellen. Im Fall von Frankfurt sieht man ein Foto des Hafenparks, der im Osten der Stadt direkt an seinen Grüngürtel anschließt. Er bietet nicht nur selbst viel Grün, sondern auch einen Skate- und Bike-Bereich.

Und es gibt einen Bereich, der sich mit der Geschichte des SC 1880 befasst. „Der SC 1880 ist der älteste Rugbyverein in ganz Deutschland“, sagt Redenius. Er hat heute insgesamt knapp 3000 Mitglieder. Von den 500 Rugby-Vereinsmitgliedern sind 350 Kinder, die jüngsten unter ihnen sechs Jahre alt. „In Vorbereitung auf das Jubiläum geht es uns vor allem darum, die Werte des Vereins wieder hochleben zu lassen und die Kommunikation unter den Sportarten zu vertiefen“, so Redenius.
Bryce Twiname, der als Trainer für den SC 1880 arbeitet, ist unterdessen darum bemüht, die Werte auf dem Platz zu pflegen. Er kommt aus Neuseeland, wo der Rugbysport wie im gesamten Commonwealth oder wie in Ländern wie Frankreich oder Italien eine große Rolle spielt. Diese Internationalität spiegelt sich im gesamten Rugby-Trainerteam des SC 1880 wider: Von den Trainern, die am Mitmachtag vor Ort sind, kommen neben Twiname auch zwei aus Südafrika und Italien. „Ich glaube, das ist es auch, was die Leute zu uns zieht: Durch diese vielen unterschiedlichen Erfahrungen sind wir sehr versiert darin, Rugby beizubringen – eben auch den Kleinsten.“

Die tackeln noch immer fleißig, dazwischen müssen sich die Kinder aber auch zusammensetzen und zuhören. „Was ist wichtig beim Rugby?“, fragt einer der Trainer. „Respekt!“, schreien die Kleinen zurück. Die wichtigste Botschaft ist schon mal angekommen.
Die Ausstellung „Die Stadt ist der Sport“ ist noch bis 7. Juni im Deutschen Architekturmuseum zu sehen.
