
Der Spätsommer ist noch kein Märchen, aber es herrscht eine Aufbruchstimmung wie lange nicht mehr. Klopp, Nationalmannschaft, nur knapp verloren gegen den Europameister Rehaklesland, natürlich denkt der gemeine Leser sofort an Fußball. Wir hingegen haben das große Ganze im Blick, also die Mobilität von morgen, die heute beginnt.
Im August, bestimmt auch im September, sind die Zulassungen von Elektroautos befeuert worden, aber so was von. Dem Nachbarn hat der freundliche Škoda-Händler seines Vertrauens gesagt, er komme ein halbes Jahr zu spät. Jetzt gebe es null Rabatt mehr, dafür aber jede Menge Lieferzeit. Die hohen Benzinpreise entwickeln also tatsächlich Lenkungswirkung, verflixte Marktwirtschaft, die wird doch wohl nicht doch funktionieren?
Unter den ausländischen Herstellern hat der elektrische Zulassungsanteil erstmals die 50-Prozent-Marke geknackt, weshalb die Verbandspräsidentin fordert, diesen Hochlauf mit verlässlichen politischen Rahmenbedingungen weiter zu unterstützen.
Es löst bald eine Safety-Car-Phase aus
Zum Beispiel mit einem Tankrabatt, der seit dieser Woche den Liter auf Schnäppchentarife von nur noch knapp über 2 Euro drückt. Steuern und Gegensteuern ist nicht nur auf Rennstrecken ein probates Mittel, die Politik ist gar Meister darin. Wir fürchten, es löst bald eine Safety-Car-Phase aus. Da die Mineralölsteuer sinkt und ihr Äquivalent auf Ladestrom entfällt, Elektroautos bei Erstzulassung bis Ende 2030 für bis zu zehn Jahre von der Kraftfahrzeugsteuer befreit sind und elektrische Lastwagen keine Maut bezahlen müssen, entsteht womöglich ein Milliardenlöchlein im Haushalt.
Unsere Nachbargemeinde, der kürzlich überraschend ein Kassendefizit von 35 Millionen Euro aufgefallen ist, liefert eine Lösung frei Bordsteinkante: Einnahmen erhöhen. Warum der Bundesfinanzminister da noch nicht darauf gekommen ist, verwundert uns. Ergo muss eine spezielle Ladestromsteuer her. Oder eine Pkw-Maut, für deren Einführung soll Berlin über hochkarätige Spezialisten mit einschlägiger Erfahrung verfügen.
Unsereins hört und sieht sich ja gern auf der Straße um, früher hätte man gesagt, um dem Volk aufs Maul zu schauen. Was heute bestimmt ehrverletzend, diskriminierend und zu wenig wertschätzend ist. Also: Wir reden mit den Leut. Beim Kerbeumzug. Die sagen spannende Dinge, stehen sozusagen mit allen Rädern auf dem Boden.
Verraten dürfen wir so viel: Der Star des sonnigen Tages war ein Traktor. Mit Mähwerk, der vom Abknicken bedrohte Sitz durch einen Holzstamm gestützt, Baujahr 1948, ursprünglich ein von den amerikanischen Soldaten zurückgelassener Jeep. Die Grundlage der bis heute prosperierenden Obstbauernlandwirtschaft im Ort. Vor allem eine wunderbare Erinnerung an Zeiten, als Aufbruchstimmung und Mobilität für ein Morgen noch eine Einheit bildeten, nicht nur einen Tag lang.
