
Union Berlin erscheint gerade als Aha-Moment, weniger, weil die Köpenicker formidabel kicken, sondern weil die Herrenmannschaft jetzt von einer Frau trainiert wird. Was in der Fußballerbranche ein Novum ist. Woran man sieht, wie fortschrittlich sich etwa die Lufthansa fühlen darf. Die Fluggesellschaft hat vor 30 Jahren die ersten Pilotinnen ins Cockpit gesetzt, womit sie zu ihrem soeben einhundertjährigen Bestehen nicht ohne Stolz hausiert. En woke schreibt dieselbe Lufthansa heutzutage von Mitarbeitenden und Teilnehmenden, wenn sie etwas über ihre Leutchen zu berichten hat.
Nun haben jene fürs Fliegen zuständigen am Montag und Dienstag gestreikt, die in der Kabine beschäftigten sind am Mittwoch und Donnerstag am Boden geblieben. Das spart teures Kerosin, sehr löblich, und schenkt Zeit zum Nachdenken. Sind streikende Mitarbeitende noch Mitarbeitende oder zumindest Mitarbeiter, die gerade nicht mitarbeiten? Und streikende Flugzeugführende trotzdem Flugzeugführer, obgleich sie ja nur flugzeugführende Flugzeugführende sind, wenn sie im Cockpit ihrer Tätigkeit nachgehen? Was sind an einer Reise teilnehmende Teilnehmende, solange sie noch nicht reisen, sondern sich darauf vorfreuen? In unserer Grundschule sauste immer, wenn der Erstklässler Unfug machte oder erzählte, Franz-Josef auf den Tisch, was ein von der Lehrerin geschwungener Stock war. Lufthansa, Franz-Josef!
Wir stellen allerdings fest, dass der ADAC sich neuerdings um Autofahrende kümmert, womit das schöne Bild des im Stau stehenden Autofahrenden entsteht. Wobei, sollte sich selbiger auflösen, ein Aufatmen durch die Gemeinde der sodann autofahrenden Autofahrenden gehen dürfte. ADAC, Franz-Josef! Ganz verübeln kann man es den Deutsch im Namen führenden Firmen nicht, wo doch die Frankfurter Goethe-Universität Studierende eingeschrieben hat, selbst wenn selbige vorlesungsfreie Zeit haben. Fleißige Studenten eben, geradezu allzeit studierende Studierende. Der arme Goethe, Franz-Josef!
Derweil sei darauf hingewiesen, dass nach neuerdings üblicher Lesart die Trainerin nicht Trainerin von Union Berlin ist, sondern bei Union Berlin. Wie die meisten Vorstände solche bei dem Unternehmen sind, nicht des Unternehmens. Die Tagesthemen melden: Koalition einig bei Entlastungen. Franz-Josef! Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod und „bei“ eine Präposition, deren inflationärer Missbrauch schon 1998 eine Kollegin echauffierte, die kein Mitarbeitendensternchen je gebraucht hätte. Wie sie bis heute aktuell in der F.A.Z. schrieb, bezeichnet dieses „bei“ eine räumliche Nähe, gelegentlich auch begleitende Umstände. Die Präpositionen auf, an, in, zu, für, von und während sind aus der Mode gekommen.
Dafür geschieht inzwischen alles Mögliche zeitgleich statt gleichzeitig und in Sachen, vor allem aber zeitnah, wobei wir gern wüssten, ob eine Minute nach der Zeit zeitnah genug wäre oder ob bald, flott, schnell, unverzüglich, demnächst ausreichten? Arbeit an der Sprache ist Arbeit am Gedanken, von Friedrich Dürrenmatt, hat uns eine andere gehirnknotenfrei selbstbewusste Ex-Kollegin zu ihrem Abschied hinterlassen. In diesem Sinne: Mögen die Mitarbeitenden bei der EU-Kommission zeitnah eine pragmatische Regelung in Sachen CO2 finden, damit die Autofahrenden zeitgleich mit den Unternehmenden eine Zukunft haben.
