„Stegmus“ ist kein Brotaufstrich. Sondern eine Kunstform, die in der Kleinen Brückenstraße im mutmaßlich kleinsten Theater Frankfurts gepflegt wird. Gespielt wird, ohne Ansage von Titel und Inhalt, ein Musical. Aus dem Stegreif. Eine Herausforderung für Alexander J. Beck und seine Bühnenkollegen im Theater Alte Brücke. Aber eine, die gerade Beck entgegenkommt. Er hat ein großes Herz für das Komische, für amerikanische Theaterformen und für das, was Publikum und Theater nah zusammenbringt. Für Musik sowieso.
Die meisten Frankfurter kennen ihn von „Barock am Main“, wo er in schönstem Bühnenhessisch die Sidekicks spielt. In der Volksbühne am Großen Hirschgraben ist Beck oft zu sehen, andere kennen ihn von Theaterprojekten im Taunus, auch mit Amateuren. Wieder andere kennen ihn, ganz ohne ihn zu kennen: Seit Jahren spricht Beck die deutschen Fassungen von Computerspielen, er ist etwa „UK Team Leader“ in „Call of Duty“. Manchmal hört er sich selber: Denn auch Beck liebt diese Spiele.
Noch mehr aber liebt er das Theater, deshalb hat Beck sich 2015 einen Traum erfüllt. Mit Bar, kuscheligen Sofas und buntem Programm. Die Wände mit der Brokatmustertapete im Theater Alte Brücke sind übersät mit den Titeln des Magazins „Playbill“. Seit Beck sie einst liebevoll einzeln gerahmt und aufgehängt hat, hat sich sein Bestand verdoppelt. Beck, der sagt, „Englisch ist meine zweite Muttersprache“, fliegt immer wieder nach New York. Schaut so viele Stücke an, wie er nur in einen kurzen Aufenthalt pressen kann. Und hat schon mehrfach ein brandneues Werk, Broadway oder Off-Broadway, von ihm selbst übersetzt und inszeniert, in Sachsenhausen zur deutschsprachigen Erstaufführung gebracht.

Amerikanische Dramatik, gut gebaut, lebenssatt, geradeheraus, ist Becks Steckenpferd. Dafür hatte er das Mini-Theater gegründet. Mit eigenen Schulden und viel Unterstützung von Familie, Freunden und Fans. Er besorgt Getränke und tüftelt technische Lösungen für die Bühne aus, erledigt das Bürokratische, inszeniert und spielt. Füllt den Spielplan mit Gastspielen unterschiedlicher Genres, damit es weitergeht. In dem Stadtteil, in dem er, 1973 geboren, aufgewachsen ist.
Die Affinität zu Amerika hat Gründe: Die Mutter, bis heute Becks Ratgeberin und Unterstützerin, ist als „brown baby“ eines schwarzen amerikanischen Soldaten im Fränkischen aufgewachsen. Der Sohn hat früh, auch dank der einst starken amerikanischen Präsenz in Frankfurt, Sprache und Kultur aufgesogen. Im Gymnasium hatten ihn irgendwann nur noch Englisch und die Theater-AG interessiert. Aber als er mit der Mittleren Reife abging, riet die Mutter zu einer kaufmännischen Ausbildung. An eine Schauspielschule zu gehen, hat Beck nicht gewagt. „Ich dachte, so wie ich sehen keine Schauspieler aus“, sagt er.
Der kräftige „Sachsenhäuser Bub“, der analog zu Obelix über sich sagt, er sei als Kind ins Apfelweinfass gefallen, ist nie schlanker geworden. Heute ist seine Statur eine Marke. Seine Begeisterung für American Football, Rap und Hip-Hop, die Jugendkultur der Amerikaner, führte ihn ans DJ-Pult und ins Radio, erst zu „Soul Train“ bei Radio X, dann zum Hessischen Rundfunk, in das Format XXL. Hip-Hop brachte ihm eine erste Filmrolle Ende der Neunzigerjahre. Da wusste Beck: „Das ist genau das, was ich schon immer machen wollte.“ Er nahm privat Schauspielunterricht.
Und als er, bei den Vilbeler Burgfestspielen, Wolfgang Deichsel kennenlernte, der dort „Die Schule der Frauen“ inszenierte, den Vorläufer von „Barock am Main“, war klar: Das ist es. Aus dem Auf und Ab des Berufs hat Beck, der mit seiner Familie in Neu-Isenburg lebt, sich heute ein forderndes Patchwork an Tätigkeiten gebastelt – als pragmatischer Optimist.
