Die Thyssenkrupp-Rüstungstochter TKMS hat von Kanada den Zuschlag für den Bau von bis zu zwölf U-Booten bekommen. Das verkündete der kanadische Premierminister Mark Carney beim Besuch eines Militärstützpunktes im ostkanadischen Halifax. Damit setzte sich TKMS gegen die südkoreanische Firma Hanwha Ocean durch. Zu den Kosten machte Carney keine Angaben. Die Nachrichtenagentur dpa berichtete, dass sich das Auftragsvolumen für die U-Boote inklusive Service auf rund 20 Milliarden Euro belaufen soll.
Über den möglichen Deal zwischen Kanada und TKMS war zuvor schon von mehreren Medien übereinstimmend berichtet worden. Die Aktie des Unternehmens kletterte zeitweise um knapp 13 Prozent auf den höchsten Stand seit
fast vier Monaten. Für TKMS ist es der größte U-Boot-Auftrag in der Unternehmensgeschichte.
Merz sieht in der Entscheidung »ein starkes Zeichen«
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) begrüßte die Entscheidung Kanadas. Damit setze die kanadische Regierung »ein starkes Zeichen der transatlantischen und europäischen Zusammenarbeit in der Rüstungsindustrie«. Der Auftrag sei »Ausdruck unserer auf Dauer angelegten Partnerschaft, die weit
über die Sicherheits- und Verteidigungspolitik hinausreicht«, sagte Merz. Außenminister Johann Wadephul (CDU) sprach auf der Plattform X von einem starken Signal des Zusammenhalts im transatlantischen Bündnis. Kanada habe sich für die besten konventionellen U-Boote der Welt entschieden.
Auch Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) äußerte sich positiv. Die zukünftige U-Boot-Flotte, die auch von Norwegen betrieben wird, sei wesentlicher Pfeiler in der Strategie der Nato zur Sicherung des hohen Nordens und sichtbarer Beitrag zur Lastenteilung im Bündnis. Gleichzeitig dürfe man sich nicht zurücklehnen. »Jetzt geht es darum, die Verträge
fertig zu machen und die U-Boote möglichst schnell ins Wasser zu
bekommen«, sagte Pistorius.
Das Geschäft mit TKMS kann noch scheitern. Kanada behalte sich das Recht vor, mit dem südkoreanischen Hersteller Hanwha erneut Gespräche zu führen, sollte mit TKMS keine Einigung erzielt werden, sagte Regierungschef Carney.
In den vergangenen Monaten hatte die deutsche Bundesregierung intensiv für das Geschäft geworben. Im Mai hatte Pistorius bei seinem Besuch in Kanada die »langjährige Expertise bei U-Booten und U-Boot-Operationen« bei TKMS sowie die »herausragende Qualität seiner U-Boote« gelobt. Die Bundesregierung hatte Kanada mit zahlreichen anderen Wirtschaftsprojekten gelockt, sollte die Entscheidung zugunsten des deutschen Unternehmens fallen. Diese reichen von Kooperationen bei Rohstoffen bis zur Genehmigung einer Fusion zweier KI-Firmen.
U-Boote sollen in Kiel und Wismar gebaut werden
Kanada bezieht bisher rund 80 Prozent seiner Militärgüter aus den USA. Das Verhältnis ist aber seit der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump schwer belastet. Neben Zöllen strapaziert auch Trumps Forderung nach der Eingliederung Kanadas in die USA die Beziehungen zwischen den Ländern. Die Zusammenarbeit in einem Verteidigungsrat beider Länder wurde im vergangenen Mai ausgesetzt.
Kanada erhält von TKMS U-Boote des Typs 212CD. Dieses Modell haben Deutschland und Norwegen für die gemeinsame Nutzung entwickelt. Die Baugleichheit der U-Boote soll die Kosten verringern und eine einfache Zusammenarbeit ermöglichen, der sich nun Kanada als dritter großer Partner anschließt. TKMS sprach vom »Beginn eines neuen
Kapitels in der Verteidigungszusammenarbeit zwischen drei engen
Nato-Verbündeten, in dem gemeinsames Fachwissen und gemeinsame
Sicherheitsinteressen zusammengeführt werden«.
Die U-Boote sollen am TKMS-Stammsitz in Kiel und in der zweiten Werft in Wismar gebaut werden. Dort will das Unternehmen bis zu 1.500 Arbeitsplätze schaffen. Das erste U-Boot aus dem Geschäft solle bis 2033 ausgeliefert werden, teilte TKMS mit.
