Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder ist Mitglied des Aufsichtsrats bei der russischen Supermarktkette Hyperglobus geworden. Er sei von den Anteilseignern am 30. September in den Aufsichtsrat aufgenommen worden, teilte das Unternehmen mit. Schröder soll demnach die strategische Entwicklung der Firma unterstützen und in die übergreifende Führung
eingebunden werden.
Hyperglobus war ursprünglich eine Tochterfirma des deutschen Konzerns Globus, spaltete sich 2025 aber ab und agiert seitdem formal unabhängig. Inhaber ist der deutsche Unternehmer Thomas Bruch, ehemaliger Geschäftsführer von Globus und Teil der Inhaberfamilie. Die Supermärkte in Russland heißen immer noch Globus. Bruch gehörte zu den deutschen Unternehmern, die im Mai am St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum teilnahmen, dessen Gastgeber der russische Präsident Wladimir Putin war.
Schröder: »Wichtig«, Beziehung aufrechtzuerhalten
Über die Wahl sagte Bruch, dass Schröders langjährige Erfahrung im politischen und wirtschaftlichen Leben Russlands es dem Unternehmen ermöglichen werde, einen »dialogorientierten Ansatz« zu verfolgen. Auch Schröder selbst wird russischen Medienberichten zufolge in der Mitteilung des Unternehmens zitiert. »Gerade in Krisenzeiten« sei es wichtig, die Beziehungen zu Russland aufrechtzuerhalten, sagte er demnach. Sie würden es ermöglichen, »einander zuzuhören und Wege in die Zukunft zu finden«.
Schröder pflegt seit seiner Amtszeit als Bundeskanzler von
1998 bis 2005 eine enge Beziehung zu Putin und war nach seiner politischen Karriere für mehrere russische Staatskonzerne tätig. Bis Mai 2022 war er etwa Aufsichtsratsvorsitzender beim staatlichen Ölkonzern Rosneft. Dann legte er das Mandat nieder. Das EU-Parlament hatte zuvor dafür votiert, Schröder auf eine Sanktionsliste zu setzen, wenn er trotz des
Ukraine-Krieges an seinen Posten in russischen Unternehmen
festhalte.
Die russische Regierung hatte erst vor Kurzem die russischen Vermögenswerte des
deutschen Handelskonzerns Metro per Dekret unter vorübergehende staatliche
Verwaltung gestellt. Auch beim französischen Einzelhändler
Auchan hatte Russland die Vermögenswerte übernommen. In einem Bericht der russischen Wirtschaftszeitung Kommersant heißt es, dass Hyperglobus mit der Ernennung Schröders wohl versuche, der staatlichen Verwaltung zu entgehen.
