Ein russisches Kriegsschiff hat im Ärmelkanal Warnschüsse in
Richtung einer unter britischer Flagge fahrenden Jacht abgegeben. Damit sollte ein
Zusammenstoß der beiden Schiffe verhindert werden, teilten das russische und
das britische Verteidigungsministerium übereinstimmend mit. Zu dem Vorfall kam
es bei dichtem Nebel rund 37 Kilometer südlich der Isle of Wight außerhalb
der britischen Hoheitsgewässer. Verletzt wurde niemand.
Zu dem Vorfall gab das russische Verteidigungsministerium an,
die Jacht habe sich »gefährlich angenähert«. Nach mehreren
erfolglosen Versuchen, Funkkontakt aufzunehmen, habe das Kriegsschiff Admiral
Grigorowitsch Warnschüsse abgegeben, darunter mit Handfeuerwaffen. Die Jacht
habe daraufhin ihren Kurs geändert.
Das britische Verteidigungsministerium bestätigte diese
Darstellung. Es teilte mit, die von der Admiral Grigorowitsch abgegebenen
Warnschüsse hätten sich nicht gegen die Jacht gerichtet. »Nach Versuchen,
Kontakt zu einem britischen Schiff im Ärmelkanal aufzunehmen, gab die Grigorowitsch Warnschüsse ab. Diese richteten sich nicht gegen das Schiff und
dienten dazu, eine mögliche Kollision zu verhindern«, teilte das britische
Verteidigungsministerium mit. Zuvor hatte das Ministerium erklärt, es
untersuche »Berichte über einen Vorfall im Ärmelkanal«.
Unterschiedliche Angaben zum Abstand der Schiffe
Über den Abstand der Schiffe gab es unterschiedliche
Angaben: Das russische Ministerium sprach von 150 Metern. Die Besatzung der Jacht,
die den Vorfall zuerst gemeldet hatte, gab die Entfernung zu dem russischen
Kriegsschiff mit 450 Metern an. Ihren Angaben zufolge wurde niemand an Bord
verletzt; die Jacht sei auch nicht beschädigt worden. Den britischen Angaben
zufolge entsandte das britische Marineschiff HMS Tyne wenig später ein Beiboot,
um die Lage vor Ort zu überprüfen.
Die Admiral Grigorowitsch hatte im April Tanker mit
russischem Öl durch den Ärmelkanal eskortiert. Das britische
Verteidigungsministerium erklärte, die Warnschüsse vom Dienstag stünden nach
eigener Einschätzung nicht im Zusammenhang mit dem Einsatz am Sonntag. Es
handle sich um einen Einzelfall.
Öltanker der russischen Schattenflotte im Ärmelkanal
Der Vorfall ereignete sich zwei Tage, nachdem britische
Spezialeinheiten einen sanktionierten russischen Öltankers im Ärmelkanal gestoppt
hatten. Die Soldaten hatten am Sonntag das Schiff Smyrtos geentert, das zur
sogenannten Schattenflotte Russlands gezählt wird. Es war der erste derartige
Einsatz Großbritanniens, um russische Einnahmen aus dem Ölgeschäft für den
Angriffskrieg gegen die Ukraine zu blockieren. Am Montag erhob die britische
Staatsanwaltschaft Anklage gegen den indischen Kapitän des Schiffes. Sie wirft
ihm vor, gegen die Sanktionen Großbritanniens verstoßen zu haben, die nach dem
Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022 gegen Russland verhängt worden waren.
Im Mai hatte die britische Zeitung Telegraph berichtet, dass die Admiral
Grigorowitsch seit fast zwei Monaten vor der britischen Küste patrouillierte
und Öltanker der russischen Schattenflotte eskortierte, mit deren Hilfe
Russland Sanktionen umgehen will. Die britische Marine erklärte, sie habe
mehrere Boote eingesetzt, um die Admiral Grigorowitsch zu überwachen. Im April
habe es »keinen einzigen Tag« gegeben, an dem die Fregatte nicht
»genau beobachtet« worden sei.
