
Der Krater auf einem Acker im Osten Polens hat einen Durchmesser von zehn Metern und ist fünf Meter tief, Fragmente des dort explodierten Marschflugkörpers sind in einem Umkreis von fast zweihundert Metern verteilt: Diese Zahlen verdeutlichen die Wucht der Waffen, mit denen Russland in der Nacht auf Donnerstag wieder Wohngebiete in der Ukraine angegriffen hat. Anders als in der Ukraine, wo wieder tote Zivilisten zu beklagen waren, sind bei dem Raketeneinschlag in Polen keine Menschen zu Schaden gekommen.
Aber der Vorfall zeigt: Das russische Regime nimmt die Gefahr solcher Opfer auch in NATO-Staaten billigend in Kauf. Das ist keine Neuigkeit. Ende Mai wurden in Rumänien vier Menschen verletzt, als eine russische Drohne nahe der Grenze zur Ukraine in ein Wohnhaus eingeschlagen ist.
Der Vorfall vom Donnerstagmorgen hat, auch wenn er glimpflich ausgegangen ist, noch einmal eine neue Qualität. Offenbar ist erstmals eine russische Rakete mit Sprengkopf in einem NATO-Land niedergegangen.
Polens Ministerpräsident Donald Tusk sagt, nichts deute darauf hin, dass es sich um einen gezielten Angriff auf Polen gehandelt habe. Immerhin – doch sehr beruhigend ist auch das nicht: Was wäre gewesen, hätte die womöglich fehlgeleitete russische Rakete einen geringfügig anderen Kurs genommen und eines der umliegenden Dörfer getroffen?
Solange Russlands Krieg gegen die Ukraine unvermindert andauert, ist die Gefahr einer Eskalation real, bei der die NATO direkt in den Konflikt gezogen wird.
