München,
Gärtnerplatztheater, Orchesterprobensaal. Letzter Akt La Traviata von Giuseppe Verdi. Es ist die erste
Orientierungsprobe, Premiere wird erst in vier Wochen sein. Ein flirrender,
geheimnisvoller Streicherklang erhebt sich, zarte Akkorde – Violetta Valéry liegt
im Todeskampf, man spürt den Atem, der da langsam versiegt. Am Dirigentenpult
steht Rubén Dubrovsky, groß, schlank, dunkle Locken, offenes Lächeln. Er hält die musikalische Spannung bis zum
letzten Augenblick, dann lässt er die Arme sinken und strahlt in die Runde:
»Großartig!« Auch das Orchester ist ergriffen. »Das war die allererste
Verständigungsprobe«, meint er hinterher begeistert, »und gleich ist alles da, der
Klang, der Ausdruck, die Präzision.«
