Es ist ein beschämendes Geräusch: Auf dem Bürgersteig ticken die Räder wie Hi-Hat-Sechzehntelnoten, t-t-t-t-t-t-t-t, auf Kopfsteinpflaster nehmen sie ein beinahe lokomotivisches Tuckern an – nur um jäh unterbrochen zu werden, wenn die Räder an einer Kante hängen bleiben. Der Rollkoffer klackert, wummert und wirkt unweigerlich wie ein Alarm, der »Tourist! Tourist!« ruft. Besonders unangenehm: die späten Abendstunden, gerade im Sommer, wenn der Lärm ungeniert durch offene Fenster hallt.
Schon Ende des 19. Jahrhunderts hat man versucht, sein Gepäck zu rollen. Das fand damals keinen breiten Anklang, weil die Untergründe zu uneben oder schlammig waren. Seitdem wurde zwar fleißig asphaltiert, pittoreske Altstadtböden oder die kleinen Rillen zwischen den Betonpflastersteinen machen jedoch noch immer gerne von sich hören. Dabei soll in Zeiten von Flugscham das Reisen möglichst eines sein: leise und diskret. Warum ist das so schwer?
