
Wie wichtig aktuell Krisenprävention und Vorsorge sind, darauf will Hessens Landesregierung die Bevölkerung in den nächsten Tagen aufmerksam machen. In der sogenannten Resilienzwoche besucht Innenminister Roman Poseck (CDU) unter anderem Schulen, Kommunen und Einrichtungen der kritischen Infrastruktur. In Gesprächen wolle er die Menschen für die Eigenvorsorge und den Selbstschutz sensibilisieren, sagt Poseck.
Unter kritischer Infrastruktur versteht man Einrichtungen, deren Beeinträchtigung oder Ausfall zu Versorgungsengpässen, Störungen der öffentlichen Sicherheit und weiteren dramatischen Folgen führen kann. Dazu gehören beispielsweise Energie, Informationstechnik, Transport, Verkehr, Gesundheit und Trinkwasser.
Der Minister will in dieser Woche unter anderem bei einer Katastrophenschutzfortbildung in Hofheim zu Gast sein. Für Donnerstag ist geplant, dass Poseck in einem Supermarkt einen Notvorrat zusammenstellt. An diesem Tag ist auch der bundesweite Warntag mit Probealarm.
Die Sirenen senden drei Signale
„Die Resilienzwoche haben wir seit Längerem geplant, doch sie ist aktueller denn je“, sagte Poseck. Die Sicherheitslage erfordere ein Umdenken in der Bevölkerung. „Jeder kann und sollte sich für den Ernstfall vorbereiten.“
Am Warntag wird um 11 Uhr ein Probealarm ausgelöst, außer mit Sirenen auch auf Warn-Apps, im Rundfunk und auf dem Smartphone. Entwarnung soll es um 11.45 Uhr geben. Die Sirenen heulten jeweils für eine Minute, schreibt das Ministerium. Es gibt drei Sirenentöne mit unterschiedlichen Bedeutungen für Warnung, Entwarnung oder einen Feuerwehreinsatz.
Am Warntag ertönen üblicherweise zwei Töne – mancherorts können die Signale aber abweichen. Um die Bevölkerung zu warnen, heulen die Sirenen in Wellen an- und abschwellend für eine Minute. Zur Entwarnung ertönt ein durchgehender Ton ohne Unterbrechung. Auch dieser Ton dauert eine Minute.
Opposition vermisst Ehrenamtliche
In manchen Gemeinden kann am Warntag auch der Alarm genutzt werden, der sonst für Feuerwehreinsätze ertönt. Dieser dauert eine Minute und ist in einen 15 Sekunden langen Dauerton und eine sieben Sekunden lange Pause unterteilt, die einander abwechseln.
Laut dem hessischen Innenministerium sind derzeit 4074 Sirenen in Hessen aktiv. Davon seien 85 Prozent digital und damit über das sogenannte Tetra-BS-Netz erreichbar. Mit Digitalfunk kann der Sirenenalarm innerhalb von ein bis zwei Sekunden ausgelöst werden.
Die Opposition kritisiert vor allem die Geschwindigkeit bei der Umrüstung. „Die technische Umrüstung der Sirenen, damit alle Sirenen auch das Signal ,Warnung der Bevölkerung‘ auslösen können, dauert bisher noch zu lange“, meint Christoph Sippel, Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion für Brand- und Katastrophenschutz.
Die größten Herausforderungen im Bevölkerungs- und Katastrophenschutz liegen seiner Ansicht nach bei der Beschaffung und Ausstattung. Das Land müsse regelmäßigere Beschaffungen für das gesamte Bundesland vornehmen, beispielsweise für die Feuerwehren. Darüber hinaus werde die Gewinnung und Ausbildung von Ehrenamtlichen in Zukunft noch wichtiger.
