Ja, im Osten ist Wahlkampf. Und der findet – mal wieder – unter Extrembedingungen statt. Die AfD führt bekanntermaßen sowohl in Sachsen-Anhalt als auch in Mecklenburg-Vorpommern die Umfragen an. Gut möglich, dass die wahlkämpfenden Ministerpräsidenten Sven Schulze (CDU) und Manuela Schwesig (SPD) auch deshalb zu besonders rabiaten Mitteln greifen, um sich Aufmerksamkeit zu verschaffen. Man kann das natürlich kritisieren. Aber es wäre auch ein bisschen wohlfeil. Und westdeutsch.
Man kann nämlich auch fragen: wann, wenn nicht in Zeiten, die einen zur Verzweiflung bringen können, sind Verzweiflungstaten denn erlaubt? Zumal die Ostländer ohnehin oft genug in einer Außenseiterrolle sind, in einer Minderheitenposition sowieso. So breitbeinig jedenfalls, wie Markus Söder die äußerst kostspielige Ausweitung der Mütterrente (die der Osten streng genommen gar nicht braucht) trotz vieler Einwände durchsetzen konnte, können Schwesig & Co. nur selten agieren. Es ist allein deshalb schon eine interessante Unternehmung, wenn sie jetzt dennoch versuchen, die sogenannte Frühverrentung zu kippen.
