Ermittler des Bundeskriminalamts haben bei der Bundeswehr entwendete Waffen entdeckt. Gefunden wurden sie nach ZEIT-Informationen
bei einer Durchsuchung im Umfeld der mutmaßlichen Terrorgruppe um Heinrich
XIII. Prinz Reuß und den früheren Offizier Rüdiger von Pescatore.
Die Männer müssen sich derzeit mit weiteren Angeklagten vor
dem Frankfurter Oberlandesgericht verantworten. Der Generalbundesanwalt wirft den
beiden vor, Rädelsführer einer Terrorgruppe gewesen zu sein, die sich auf einen
Umsturz in Deutschland vorbereitet haben soll. Das
Netzwerk aus Reichsbürgern, Rechtsextremen und Anhängern von
Verschwörungsideologien soll auch einen bewaffneten Sturm auf den Bundestag
geplant haben.
Die Ermittler in dem Fall suchen schon seit Jahren nach
bislang verschwundenen Waffen aus Bundeswehrbeständen. Das hat vor allem mit
Rüdiger von Pescatore zu tun: Der ehemalige Kommandeur eines Fallschirmjägerbataillons
war bereits 1999 wegen Waffendelikten zu einer Bewährungsstrafe verurteilt und aus der Bundeswehr entlassen
worden.
Pescatore hatte etwa Waffen aus Beständen der Truppe an Soldaten verschenkt, darunter ein Kalaschnikow-Sturmgewehr. Er verkaufte Pistolen an einen Waffenhändler, nahm unter anderem einen Karabiner mit nach Hause. Das geht aus dem damaligen Urteil des Landgerichts Tübingen hervor. Die Waffen stammten zum Teil aus ehemaligen Beständen der Nationalen Volksarmee und sollten der Ausbildung von Soldaten dienen. Pescatore hatte vom Bundesinnenministerium dafür auch 44 Makarow-Pistolen erhalten. Sie kamen aber nie bei der Truppe an: Sein früherer Fahrer sagte vor Gericht aus, dass er zusammen mit Pescatore zwei Kisten mit den Waffen in
dessen Keller getragen habe. Der Verbleib der halb automatischen Pistolen und von insgesamt 165 Waffen sei zu Prozessende ungeklärt geblieben, heißt es in dem Urteil. Nicht für alle diese Fälle wurde Pescatore
damals verantwortlich gemacht. Vor Gericht hatte der ehemalige Oberstleutnant die
Vorwürfe größtenteils bestritten.
Laut der Anklage des Generalbundesanwalts, die derzeit in
Frankfurt verhandelt wird, soll in Pescatores Rucksack bei seiner erneuten Festnahme
im Dezember 2022 eine Makarow mit geladenem Magazin gefunden worden sein, die
mit »sehr hoher Wahrscheinlichkeit« zu den damals entwendeten Waffen zähle. Im
Haus seiner Tochter sei zudem eine »mit Sicherheit« bei der Bundeswehr
entwendete Pistole der Marke Walther sichergestellt worden.
Mittlerweile sind Ermittler des Bundeskriminalamts nach ZEIT-Informationen
davon überzeugt, weitere Waffen identifiziert zu haben, die aus jenen Beständen
stammen. Bei einer Durchsuchung im Juni 2024 bei einem früheren Bundeswehrkameraden
von Pescatore fanden sie demnach insgesamt elf Schusswaffen, die sie der damaligen
Beute zurechnen. Es handelte sich unter anderem um Pistolen
verschiedener Hersteller und um nicht schießfähige Lehrmodelle von Gewehren.
Der Generalbundesanwalt hatte im Juni 2024 wegen des
Verdachts der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung mehrere Gebäude
und Grundstücke in Baden-Württemberg sowie in Sachsen und Schleswig-Holstein
durchsuchen lassen. Die Waffen sind nach ZEIT-Informationen damals in Bad Teinach im Landkreis Calw sichergestellt worden. Ein Sprecher des
Generalbundesanwalts sagte auf Anfrage, die Ermittlungen dauerten an. Zu
Einzelheiten wollte die Behörde keine Stellung nehmen.
Es ist nicht das erste Mal, dass in Bad Teinach nach Bundeswehrwaffen
gesucht wurde. Der Mann, auf dessen Grundstück sie schließlich entdeckt wurden, ist ein alter Bekannter von Pescatore. Sie lernten sich in den 1970er-Jahren bei der Bundeswehr kennen. Beide waren damals Fallschirmjäger und blieben auch Jahre danach in Kontakt. Bereits bei den Ermittlungen in den 1990er-Jahren wurde bei dem gelernten Maschinenbauer durchsucht. Vor rund 25 Jahren stand er auch selbst wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz vor Gericht. Damals
hatte er nach Überzeugung des Amtsgerichts Calw mit einer Finte seinen Freund
Pescatore entlasten wollen.
Zu diesem Zweck soll er 20 der gesuchten Makarow-Pistolen im
Wald abgelegt und mit Gras abgedeckt haben. Mit verstellter Stimme und unter falscher Identität habe er dann bei der
Polizei angerufen, um auf das Versteck hinzuweisen. So sollte der Verdacht auf einen unbekannten Täter gelenkt werden. Die Beamten kamen ihm
aber als Anrufer auf die Schliche. Im Prozess sagte er aus, er habe die Waffen von
einem Unbekannten für 2500 DM gekauft, um damit Pescatores Unschuld zu beweisen. Das Gericht war
davon nicht überzeugt. In der nächsten Instanz wurde das Verfahren wegen der
Makarow jedoch eingestellt, der Mann nur aufgrund anderer Taten verurteilt. Auch Jahre später unterstützte er Pescatore bei der Zahlung einer Geldbuße, die mit dessen Verurteilung zusammenhing.
Der
heute über 70-Jährige wollte auf ZEIT-Anfrage keine Stellungnahme abgeben. Mit
den Vorwürfen gegen Prinz Reuß habe er nichts zu tun, sagte er.
