
Wer auf der Immobilienmesse Expo Real in München einen Blick auf die Zukunft des Bauens werfen wollte, konnte sich zu einer Exkursion ins Umland anmelden. In Haimhausen im Landkreis Dachau entsteht nach Angaben des Entwicklers Ratisbona der erste Lebensmittelmarkt in Deutschland, der komplett nach dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft geplant ist. Er ist so konstruiert, dass die Baumaterialien komplett wiederverwertet werden können.
Während mit diesem Projekt die Region München noch die Nase vorn hat, machen sich mehrere Städte der Rhein-Main-Region gemeinsam mit dem Land Hessen auf den Weg, zum führenden Standort für zirkuläres Bauen in Europa zu werden. Auf der Messe haben dazu Vertreter von Frankfurt, Wiesbaden, Offenbach, Hanau und der Landesregierung eine Absichtserklärung („Letter of Intent“) zur Gründung einer Initiative Kreislaufwirtschaft Frankfurt-Rhein-Main unterzeichnet.
Ziel ist es unter anderem, neue Unternehmen der Kreislaufwirtschaft anzusiedeln und den Wirtschaftsstandort langfristig resilient und zukunftsfähig aufzustellen. Kernstück ist das Projekt Circle am Offenbacher Hafen, in dem mittlerweile rund 100 Unternehmen zusammenarbeiten, die sich mit der Wiederverwendung von Baustoffen befassen. Schrittweise soll die Initiative auf weitere Themen der Kreislaufwirtschaft ausgeweitet werden. „Im Frankfurter Raum bewegt sich etwas“, sagte Daniel Imhäuser, der Gründer des Circle. Es gehe um konkrete praktische Anwendungen. „Wir machen mehr, als nur Konzepte zu schmieden.“
Bauherren gehen lieber auf Nummer sicher
In den Augen von Wirtschafts-Staatssekretärin Ines Fröhlich (SPD) bietet die Kreislaufwirtschaft ein „unglaubliches Marktpotential“. Allerdings scheuten sich viele Bauherrn noch, Materialien zu verwenden, die aus anderen Gebäuden ausgebaut wurden. „Sie gehen lieber auf Nummer sicher“, sagte sie bei einer Diskussion anlässlich der Unterzeichnung des Letter of Intent. Das Land Hessen müsse mit gutem Beispiel vorangehen und auch die Ausschreibungen entsprechend formulieren.
„Wir bringen die nötige Masse ein“, sagte der Frankfurter Wirtschaftsdezernent Nils Kößler (CDU) vor dem Hintergrund der starken Bautätigkeit in der größten Stadt des Rhein-Main-Gebiets. Die Kreislaufwirtschaft sei besonders gut geeignet für eine regionale Zusammenarbeit. „Stoffströme enden nicht an den Stadtgrenzen.“
Als konkretes Beispiel für Kreislaufwirtschaft nannte der Offenbacher Stadtkämmerer Martin Wilhelm (SPD) den Abriss der ehemaligen KWU-Türme am Kaiserlei. „Das Abbruchmaterial wird größtenteils wieder aufbereitet.“ Um das zu ermöglichen, müssen nach Ansicht von Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) ausreichend Flächen für die Recycling-Wirtschaft bereitgestellt werden. Hanau biete mit der Fraunhofer-Einrichtung für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie den passenden Forschungshintergrund, sagte Oberbürgermeister Maximilian Bieri (SPD), der sein Amt erst vor wenigen Tagen angetreten hat.
