
Als der Boxring auf der Bühne der Frankfurter Jahrhunderthalle in rotes Licht getaucht wird, ist längst klar: Hier wird an diesem Abend nicht nur ein Konzert gefeiert, sondern ein Sieg verkündet. Sein Konzert hatte Reezy in acht Runden gegliedert – nach jedem Block kündigte die LED-Anzeige oben wie bei einem Boxkampf den nächsten Abschnitt an. Am Ende, nach knapp zwei Stunden, trug der Rapper einen Champion-Gürtel über der Schulter.
5000 Fans sahen Reezy am Montagabend, leicht verspätet, auf der Bühne im Kuppelsaal der Jahrhunderthalle. Er spielte sich den ganzen Abend lang durch das Programm seiner „Call It 2 Night“-Tour (kurz: „CI2N“), die in Frankfurt endete. Für den Rapper ein Heimspiel – bereits zum siebten Mal stand er in dieser Halle auf der Bühne.
Im Zentrum des Abends stand „Raheem“, sein jüngstes Album, das der 1995 in Frankfurt geborene Reezy, der bürgerlich Raheem Heid heißt, im August veröffentlicht hat. Zu hören waren unter anderem der Song „Arda Saatçi“, benannt nach dem Berliner Ultramarathonläufer, sowie Songs, deren Titel an Prominente wie den Koch Gordon Ramsay oder die 2016 gestorbene Stararchitektin Zaha Hadid angelehnt sind. Reezy mischte das neue Material gekonnt mit älteren Erfolgen: „1+1“ durfte nicht fehlen, und den Hit „Manchester“ spielte er kurzerhand gleich dreimal.
Anerkennung aus der Szene
Das Publikum war bunt gemischt – von Freundesgruppen und Pärchen über junge Erwachsene bis hin zu Eltern mit ihren Kindern. Auf den Stehplätzen bildete sich bei fast jedem Song ein Moshpit, die Stimmung war ausgelassen, und die Texte wurden lauthals mit- und zurückgesungen.
Eine 23 Jahre alte Frankfurterin, die mit einer Freundin da war, zog eine gemischte Bilanz. Die Platzwahl sei kein guter Griff gewesen. „Ich würde mir keinen Stehplatz mehr holen.“ Wer sich ins Gedränge vor der Bühne stelle, sei meist jünger, und habe Spaß daran. „Aber ab 20 ist es schon anstrengend.“ Die Musik selbst hat sie dagegen genossen: „Es gibt nur wenige Lieder von ihm, die mir nicht gefallen.“ Auf ein weiteres Konzert würde sie „auf jeden Fall“ wiederkommen – für sie war es der erste Liveauftritt von Reezy.
Dass der Abend für den Rapper eine besondere Bedeutung hatte, machte er selbst deutlich. „Ich hätte mir nichts Besseres vorstellen können, als den letzten Stopp meiner Tour in Frankfurt zu haben“, sagt Reezy auf der Bühne. Entsprechend prominent war das Publikum aus der lokalen Szene besetzt: Unter den Gästen war Achraf Ait Bouzalim, Inhaber des Modelabels 6PM – auf dessen gleichnamigem Festival Reezy im Juli bereits als Überraschungsgast aufgetreten war. Auch der Offenbacher Entertainer Mo Douzi ließ sich das Heimspiel nicht entgehen.
Mit dem Abschlusskonzert in der Jahrhunderthalle endet die „Call It 2 Night“-Tour dort, wo für Reezy alles begann: in seiner Heimatstadt Frankfurt. Applaus schlägt ihm entgegen, als er mit dem Champion-Gürtel über der Schulter aus dem Boxring tritt – der letzte Gong eines Abends, den er von der ersten bis zur achten Runde für sich entschieden hatte.
