Radsportbegeisterte verbinden mit dem Taunus einige herausfordernde Bergetappen. Dazu gehören bekannte Gipfel wie der Große Feldberg und die Hohe Wurzel. Einer der legendärsten Anstiege liegt im Königsteiner Stadtteil Mammolshain. Mit einer Steigung von bis zu 19 Prozent werden auf einer Strecke von gut drei Kilometern mehr als 200 Höhenmeter überwunden.
Der „Mammolshainer Stich“ ist fester Bestandteil des jährlichen Radrennklassikers „Eschborn-Frankfurt“ und muss von den Profis oft mehrfach erklommen werden. Die Zuschauer sorgen auf diesem Teil der Rennstrecke jedes Jahr für eindrucksvolle Stimmung, vor allem entlang der steilsten, rund 150 Meter langen Passage über die Straße „Am Steinbruch“. Höchste Zeit also, dass auch Freizeitradler den Anstieg auf einer Radtour durch den Taunus einplanen – mit dem E-Bike kein Problem. Wer ohne Unterstützung unterwegs ist, muss sehr fit sein oder schiebt – was auch keine Schande sein sollte. Zur Halbzeit und auf dem Gipfel der etwa 53 Kilometer langen Tour befindet man sich in Königstein, wo man wunderbar einkehren kann. Der überwiegende Teil der Strecke ist asphaltiert oder gut befestigt.
Wegbeschreibung
Wir starten am Bahnhof Frankfurt-Höchst und fahren von dort über Adolf-Häuser- und Leunastraße zum Mainufer. Wer mit dem Auto anreist, kann direkt am Mainufer unterhalb des Höchster Schlosses parken und startet von dort. Es geht entlang der Uferpromenade, wo auch die Mainfähre regelmäßig an- und ablegt. Wir folgen der Fahrradbeschilderung des Nidda-Radweges und müssen dafür an der Niddamündung in den Main die Räder zunächst über eine kleine Fußgängerbrücke schieben. Dann geht es etwa 2,5 Kilometer über den idyllischen Radweg entlang der Nidda.
Verpassen Sie nicht den Abzweig über die Sossenheimer Unterfeldbrücke, hinter der der Radweg durch das Sulzbachtal in Richtung Taunushöhen beginnt. Wir folgen dem schattigen Radweg entlang des Bachs, den Taunus im Blick. Langsam geht es leicht bergauf. An der Strecke tauchen immer wieder lustige Verkehrszeichen auf, auf denen die Tiere des benachbarten Opel-Zoos abgebildet sind.
Es geht an Sulzbach vorbei und durch Schwalbach weiter Richtung Kronberg. An der T-Kreuzung mit der L3015 (Schwalbacher Straße) biegen wir links ab. Wir folgen weiter der Fahrradbeschilderung, die parallel zur Landstraße führt. Ein kleines Stückchen geht es über einen schmalen und unbefestigten Pfad und nach ein paar Metern links auf die Krontaler Straße. Der Anstieg zum Mammolshainer Stich beginnt.
Zunächst ist die Steigung noch moderat, kurz vor dem Ortseingang von Mammolshain wird es knackiger. Vorbei an Wohnhäusern geht es stetig bergauf, bis der Abzweig nach rechts in die Straße Am Steinbruch sichtbar wird. Die Einbahnstraße ist seit einiger Zeit für Fahrräder auch entgegen der Fahrtrichtung geöffnet. Geradeaus käme man aktuell ohnehin nicht weiter, es sei denn, man würde das Rad durch die Großbaustelle schieben, die bis zum Frühjahr 2027 geplant ist – die Ortsdurchfahrt wird saniert. Pünktlich zum 1. Mai, wenn das traditionsreiche Radrennen wieder stattfinden wird, sollen die Arbeiten erledigt sein.

Oben angekommen lohnt ein kurzer Blick zurück ins Tal – bei klarem Wetter ist die Skyline von Frankfurt zu sehen. Aber es geht noch weiter. Über die Straßen am Mönchswald und Mammolshainer Weg fahren wir durch den Wald weiter bergauf bis zum Kreisel, der geradeaus nach Königstein führt. Eine ordentliche Pause mit Einkehr und einem Bummel durch die schöne Altstadt haben wir uns verdient. Die Burgruine Königstein ist einen Besuch wert.
Gut gestärkt folgt nun die zweite Hälfte der Tour, bei der es über weite Strecken bergab geht. Jedoch sind auch dort noch einige Höhenmeter zu bewältigen. Wir folgen erneut der Fahrradbeschilderung, die durch Schneidhahn führt und weiter durch den Wald vorbei am Hofgut Rettershof, wo es auch eine Gastronomie gibt. Der Radweg umgeht die viel befahrene Bundesstraße 455 und ist zum Teil nicht befestigt. Am Hofgut geht es links hinunter nach Fischbach und weiter nach Eppstein.
In Eppstein lohnt sich ein Bummel durch die historische Altstadt und ein Besuch der Burg Eppstein. Und wer von Anstiegen noch nicht genug hat, kann hier noch einmal hoch hinaus: Im Ort geht es nach links gut ausgeschildert mit bis zu 15 Prozent Steigung hinauf zum Kaisertempel am Hang des 451 Meter hohen Staufen. Von der dortigen Aussichtsplattform hat man einen schönen Blick auf Eppstein, die Burg und den Taunus.
Wir sausen den gleichen Weg, den wir gekommen sind, wieder hinunter nach Eppstein – denn oberhalb des Kaisertempels geht nur noch eine herausfordernde Mountainbikestrecke hinab ins Tal. In Eppstein fahren wir weiter auf die Lorsbacher Straße, bis wir zum Abzweig nach links in den Wald kommen. Dort ist der hessische Radfernweg 8 ausgeschildert. Hier geht es unbefestigt und mit einem kleineren Anstieg nach Lorsbach. Wer auf der Straße bleiben möchte, muss mit vielen Autos rechnen.

In Lorsbach folgen wir weiter dem R8, zunächst mit einem erneuten Anstieg. Dann geht es auf einem unbefestigten Wegstück in Richtung Kelkheim endlich wieder bergab. Am Kelkheimer Freibad geht es nach rechts weiter durch den Wald in Richtung Zeilsheim. Wir fahren nach links ein kurzes Stück Feldweg parallel zur Bundesstraße 519, dann geht es nach rechts unter ihr hindurch und weiter geradeaus durch die Felder, bis wir unter der A 66 hindurchfahren. In Zeilsheim folgen wir über die Straße „Pfaffenwiese“ der Radwegebeschilderung nach Höchst. Wir überqueren die Gleisanlage des Industriegeländes über eine Brücke und müssen dann noch einen Schlenker nach rechts machen, um auf den Radweg entlang der Höchster-Farben-Straße zu gelangen, der nach Höchst zurückführt. Dort radeln wir noch einmal zum Mainufer, wo man die Tour mit Blick aufs Wasser im Sommergarten der „Schiffsmeldestelle“ gemütlich ausklingen lassen kann. Wer jetzt noch Energie hat, kann auch in Höchst durch die hübsche Altstadt spazieren und dort einkehren.
Anfahrt
Mit dem Auto über die A66, Abfahrt Frankfurt-Höchst, von Süden über die A5, B 43 und B 40, Ausfahrt Industriepark Höchst.
Daten
Länge: 53 km
Beschaffenheit: überwiegend Asphalt, einige unbefestigte Passagen
Höhenmeter: 680 m
Schwierigkeit: mittel bis schwer
Sehenswert
Königstein im Taunus mit der Burgruine Königstein und idyllischer Altstadt Die Burgruine gilt als eine der größten Festungsruinen Deutschlands, die ältesten sichtbaren Mauerteile stammen aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Die Burg wurde vermutlich im 11. Jahrhundert zur Sicherung der wichtigen Reichsstraße Frankfurt – Köln erbaut. Sie ist von April bis Oktober täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet, von November bis März nur samstags und sonntags von 10 bis 17 Uhr. Eintritt: 3,50 Euro Erwachsene, 2 Euro Kinder.
Eppstein mit der romantischen Burgruine und hübscher Altstadt, wo das älteste Haus des Main-Taunus-Kreises aus dem Jahr 1459 steht. Im Museum auf der Burg ist die 1000 Jahre alte Geschichte dieses bedeutsamen Kulturdenkmals anschaulich aufbereitet. Öffnungszeiten Burg: April bis Oktober, Dienstag bis Donnerstag und Samstag und Sonntag 10 bis 17 Uhr, Freitag 10 bis 18 Uhr. November bis März, Samstag und Sonntag 12 bis 15 Uhr. Öffnungszeiten Museum: April bis Oktober Freitag 15 bis 18 Uhr, Samstag 14 bis 17 Uhr, Sonn- und Feiertag 11 bis 17 Uhr.

Der neuklassizistische Kaisertempel mit vier Säulen und Giebel wurde als patriotisches Erinnerungsmal an den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und die Gründung des Zweiten Deutschen Reiches 1871 durch den Eppsteiner Verschönerungsverein im Jahre 1894 hoch über Eppstein errichtet. Die Aussichtsplattform ist ganzjährig zugänglich.
Altstadt von Frankfurt-Höchst mit Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert, Maintor, Zollturm, Schloss und Justinuskirche Die um 830 entstandene karolingische Kirche mit ihrer dreischiffigen Basilika und dem hochgotischen Chor aus dem 15. Jahrhundert ist das älteste Bauwerk Frankfurts. Das Höchster Schloss, 14. bis 16. Jahrhundert, war die Residenz der Mainzer Erzbischöfe.
Einkehren
Stadtschänke, Hauptstraße 29, 61462 Königstein, gut bürgerliche Küche und regionale Spezialitäten, schöne Terrasse in der Fußgängerzone, täglich von 11 Uhr an, Dienstag Ruhetag, Telefon 0 61 74/25 99 80.
Schiffsmeldestelle am Mainufer in Frankfurt-Höchst (Höhe Süwag), Sommergarten mit Getränken und kleinen Snacks, geöffnet von Mitte April bis Oktober, Montag bis Donnerstag 15 bis 23 Uhr, Freitag 15 bis 24 Uhr, Samstag 11 bis 24 Uhr, Sonn- und Feiertag: 11 bis 23 Uhr, Telefon: 0 69 / 8 70 00 25 10, www.schiffsmeldestelle.de
Gasthaus zum Schwan, Höchster Schloßplatz 7, 65929 Frankfurt-Höchst, uriges Gasthaus mit Außenterrasse und regionalen Spezialitäten, Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag ab 11.30 Uhr, Montag Ruhetag, Telefon 0 69/30 06 66 56, www.schwan-hoechst.de
