Die Modewoche beginnt dieses Mal mit einem Blockbuster. Schon eine Stunde vor Beginn der Schau ziehen die Massen an der Via Giovanni Lorenzini entlang zu dem hohen weißen Turm, der alles überragt. Das von Rem Koolhaas entworfene Gebäude ist nicht nur ein 60 Meter hohes stattliches Monument, in dem seit 2018 die Fondazione Prada untergebracht ist – es steht auch als ein Sinnbild dafür, wer in diesen Tagen in der italienischen Mode der Größte ist, genauer: die Größte.
Es ist kein Zufall, dass erstmals in der Geschichte der Mailänder Modewoche Prada die Eröffnungsshow präsentiert und damit vom ersten Tag an internationale Einkäufer und Journalisten nach Mailand zieht. In einer Zeit, in der viele Marken Umsatzrückgänge hinnehmen müssen, gilt die Prada-Gruppe mit kontinuierlichem Wachstum als Vorbild. Das verdankt das Luxusunternehmen nicht zuletzt Miuccia Prada, die 1988 ihre erste Kollektion in Mailand präsentierte und seitdem die Marke konstant im Gespräch hält, seit 2020 mit Raf Simons als Co-Designer an ihrer Seite. Ihre Kreativität ist das Fundament der Marke.
Das beweist sie auch dieses Mal. In ihrer Kollektion für den nächsten Sommer legt sie mit Simons das Augenmerk auf den Rock, das weiblichste aller Kleidungsstücke. Schon 2006 sagte sie in einem Interview, dass der Rock für sie wie in T-Shirt sei, leicht zu tragen und gleichzeitig gut zu variieren. Nach der Schau vergleicht sie ihn mit einer Leinwand. „Die Beschränkung auf seine schlichte Form kann Ideen hervorrufen und dazu anregen, die Form innerhalb dieser engen Grenzen neu zu erfinden.“
Fast erscheint die Kollektion wie das Ergebnis einer künstlerischen Aufgabenstellung: Dekliniere den Rock in all seinen Facetten. Es gibt ihn in knielang und kurz, gefaltet und glatt, knallig und grau. Mal wird ein Blümchenrock in Nylon verpackt, mal ist die Baumwolle so bearbeitet, dass sie wie ein Lederteil daher kommt.
Man könnte diese Vielfalt für beliebig halten, gleichzeitig ist jedes Teil eine ausgeklügelte Konstruktion und damit very Prada. Sie seien fasziniert davon gewesen, wie Prada-Röcke die Zeit überdauert hätten, erklärt Raf Simons nach der Schau. „Ihre Exzentrik, ihre Form, ihr Dekor – ihrer Formsprache wohnt etwas Beständiges inne.“ Auch das ist Teil des Prada-Geheimnisses: Die Mode ist innovativ, aber nur in dem Maße, dass sie uns nicht fremd vorkommt. Und das hat in diesen Zeiten einen beruhigenden Effekt.
