
„Die Gesamtmasse an Wasser, das auf den Kontinenten gespeichert ist, nimmt kontinuierlich ab“, sagt Robert Reinecke vom Geographischen Institut der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung an den Flüssen: 2025 führten sie in 36 Prozent des weltweiten Einzugsgebiets weniger Wasser als im Vergleichszeitraum von 1991 bis 2020.
Auch die Grundwasserstände sind vielerorts gesunken. An 65 Prozent der für den Bericht ausgewerteten Messstationen lagen sie 2025 unter dem Vergleichswert. Zudem verloren die Gletscher weltweit rund 400 Gigatonnen an Masse. Die Auswirkungen zeigten sich kürzlich bei der Flutkatastrophe in Nepal und Tibet. Starkregen und Überschwemmungen führten vor allem in Afrika zu zahlreichen Todesopfern.
Kontinente trocknen aus
Als Ursachen nennt Reinecke vor allem den Klimawandel und den hohen Grundwasserverbrauch. Eine wärmere Atmosphäre kann zwar mehr Wasserdampf aufnehmen, zugleich verstärken sich aber auch Verdunstung und Gletscherschmelze. Durch den Gebrauch von Grundwasser, etwa zur Bewässerung, gelangt Wasser aus den Kontinenten in die Atmosphäre und in die Ozeane.
Die Kombination aus Klimawandel und Grundwasserverbrauch trockne die Kontinente aus. Das Wasser gehe dabei zwar nicht verloren, so Reinecke. Es befinde sich jedoch zunehmend an Stellen im Wasserkreislauf, an denen es für die Menschen und viele Ökosysteme weniger von Nutzen sei.
Der aktuelle WMO-Bericht umfasst mehr Daten als seine jährlich erscheinenden Vorgänger und berücksichtigt erstmals auch die Wassertemperatur. Demnach waren die Gewässer 2025 deutlich wärmer als im Vergleichszeitraum – mit möglichen Folgen für Ökosysteme und Wasserqualität.
