Ob ein männlicher Regierungschef solche Nachrichten auch erhält? Man darf es bezweifeln. Mette Frederiksen, die dänische Regierungschefin, hat sich nun in einem Instagram-Post über Kommentare zu ihrem Aussehen gewehrt. Dazu teilte sie den Screenshot einer Textnachricht: „Hey Mette, sollen wir die kleine Stelle an deiner Nase ausbessern?“ Den Namen des Absenders hat sie geschwärzt, er stellt sich aber als Schönheitschirurg vor.
Die Antwort der 48-Jährigen fällt deutlich aus: „Oh nein. Ich bin mit meinem Körper zufrieden und brauche keinen männlichen Schönheitschirurgen, der sich dazu äußert.“ Und auch in der Bildunterschrift wehrt sich Frederiksen gegen entsprechende Kommentare zu ihrem Äußeren: „Ernsthaft jetzt?“, fragt sie.
Sie sei gerade erst aus Kiew zurückgekommen, als sie die Nachricht erhalten habe, berichtet Frederiksen. „Das Letzte, was ich hörte, war die Luftschutzsirene.“ Doch statt für den andauernden Krieg interessierten sich die Leute mehr für ihr Aussehen. „Ich habe längst aufgehört zu zählen, wie viele Nachrichten ich im Laufe der Jahre zu meinem Aussehen erhalten habe“, so Frederiksen, die Dänemark seit sieben Jahren regiert. „Konkret dazu, dass ich hässliche Zähne und dünner werdendes Haar oder eine hässliche ‚Warze‘ auf der Nase hätte.“ Nicht selten empfehle man ihr Botox.
„Nachrichten bitte zu wesentlichen Themen“
Sie selbst sei mit ihrem Körper zufrieden, stellt Frederiksen klar, „genau so, wie er ist, wenn man als Frau auf die 50 zugeht“. Angesichts der Kommentare verspüre sie dennoch „einen Hauch altmodischer Empörung“. Man dürfe ihr gerne schreiben – dann aber, um „über etwas Wesentlicheres zu sprechen – nicht über meine Nase“.
Die konkrete Nachricht des Schönheitschirurgen lässt sich zwar nicht verifizieren. Aber Frederiksen ist nicht die erste Politikerin, deren Aussehen kommentiert wird.
Als Angela Merkel 2005 zur Bundeskanzlerin gewählt wurde, gab es Kritik an ihrem angeblich zu unmodischen Haarschnitt. Die Grünen-Politikerin Ricarda Lang wehrte sich jahrelang gegen Kommentare zu ihrem Gewicht. Und die frühere Außenministerin Annalena Baerbock erhielt im vergangenen Jahr viel Häme, weil sie in einem Video High Heels trug, bei Bundestagspräsidentin Julia Klöckner war es ein Kleid, das nicht allen gefiel. Es wird offenbar noch dauern, bis Frauen in der Politik sich ausschließlich an ihren Inhalten messen lassen müssen.
