An Prunk und Herrlichkeit war diese Messe kaum zu überbieten. Tausende Gläubige knieten oder standen auf einer Wiese in der Schweiz. Hinten erhoben sich die Alpen, vorn zog eine lange Schar aus Klerikern der Piusbruderschaft in prachtvollen Gewändern zum provisorischen Freiluftaltar. Eine gregorianische Schola sang lateinische Choräle. Dann ging es ans Eingemachte: Es sollten ja hier katholische Bischöfe geweiht werden, aber gegen den Willen Roms.
Der Zelebrant, Bischof Alfonso de Galarreta, schien im entscheidenden Moment innezuhalten. Vor ihm knieten vier Priester in weißen Mänteln, violetten Strümpfen und weißen Lederschuhen. Die Weihekandidaten. Gerade sprachen die vier den Treueeid auf den Papst, den die Liturgie verlangt – und brachen den Eid im selben Moment. Leo XIV. hatte sie kurz zuvor noch per Brief gewarnt: »Kehrt um!« Sie waren aber nicht umgekehrt, sondern ließen sich gegen den Willen des Stellvertreters Christi auf Erden weihen. Mit gerötetem Gesicht sprach de Galarreta auf Latein das Gebet: »Vollende in deinem Priester die Fülle deines Dienstes, und heilige ihn, geschmückt mit den Zierden der ganzen Verherrlichung, mit dem Tau der himmlischen Salbung.«
